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Merken   Drucken   29.08.2008, 10:03 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Obama - auf dem Boden  

Barack Obamas spektakulärer Auftritt im Footballstadion stand in merkwürdigem Kontrast zu seiner konventionellen Nominierungsrede. Um den richtigen Ton zu treffen, verlor er seinen Stil. von Sabine Muscat (Denver)
Einen größeren Auftritt hatte selbst Barack Obama noch nie gehabt. Seine Nominierungsfeier in Denver wirkte fast, als wollten die US-Demokraten die Olympischen Spiele noch einmal eröffnen. Fast 80.000 Zuschauer füllten die Ränge, der Kandidat stand vor einem Säulengang, der das blaue Bühnenrondell in eine Aurora verwandelte. Es war ein Ort für große Worte, doch die blieben diesmal aus. Denn wichtiger war es an diesem Abend für Obama, den richtigen Ton zu treffen. Doch darüber verlor er seinen eigenen Stil.
Seine Rede musste viele Anforderungen erfüllen. Persönlich sollte sie sein, denn viele Wähler sagen immer noch, sie würden ihn nicht kennen. Spezifisch sollte sie sein, damit endlich klar werde, dass Obama für ein Programm stehe und nicht nur für schöne Worte. Er solle den republikanischen Gegner John McCain angreifen, um zu zeigen, dass nicht nur Republikaner hart zuschlagen können. Mehr Bodenständigkeit wäre auch gut, denn Obama wirkt manchmal belehrend und arrogant. Die Partei zu einen, war eine weitere Notwendigkeit, um den Frieden nach dem harten Vorwahlkampf gegen Hillary Clinton zu besiegeln.
Obama deckte alle diese Punkte ab. Er sprach über seine Eltern, Großeltern und die "Liebe seines Lebens", seine Frau Michelle. Er erklärte, dass er 150 Mrd. $ in erneuerbare Energien investieren und Steuern für die Mittelklasse senken wolle, und dass er Versicherungen zwingen wolle, jeden Antragssteller aufzunehmen. Er setzte John McCain mit Bush gleich und warf ihm vor, nicht zu kapieren, dass die USA in einer tiefen Krise steckten. Und er wehrte sich effektiv gegen dessen Angriff, ein substanzloser Rockstar zu sein.

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