Vero possumus. Hier sind Asterix-Comicleser mit guten Lateinkenntnissen gefragt. "Wahrhaft, wir können", heißt dieser Spruch im Deutschen, und auf Englisch muss er wohl lauten: "Yes, we can". Was wie ein Zauberspruch des Druiden Miraculix klingt, ist das Motto auf
Barack Obamas neuem Siegel, das kurz vor dem Start der ersten Auslandsreise des US-Präsidentschaftskandidaten gesichtet wurde. Von Weitem betrachtet sieht es fast so aus wie das Siegel des amtierenden Präsidenten, schließlich handelt es sich bei Obamas Tour um so etwas wie eine präpräsidiale Reise.
Als erster schwarzer Präsidentschaftskandidat mit echten Chancen auf das Weiße Haus war Obama bisher nahezu unangreifbar. Anders als seine Mitbewerber um das höchste Staatsamt wirkt der kaum 47-jährige Senator unverbraucht, vielen gilt er als Hoffnungsträger einer Generation. Seine Herkunft machte ihn zur Zielscheibe für rassistische Ressentiments, was aber zugleich die Spötter davon abhielt, sich dieser Vorurteile zu bedienen.
Das scheint sich zu ändern, je länger der Wahlkampf sich zieht. Und ausgerechnet die Auslandsreise, die Obamas Strahlkraft noch stärken sollte, könnte dafür sorgen, dass die Kritiker endlich eine Zielscheibe finden: sein elitäres Auftreten.
Brennpunkt Wirtschaftskrise
Für die Reise sprechen starke Argumente. Obama hatte es satt, von seinem republikanischen Gegner, dem erfahrenen Außenpolitiker
John McCain , wegen seiner mangelnden Erfahrung kritisiert zu werden. In seinen drei Jahren im US-Senat war Obama nur einmal im Irak gewesen, in Afghanistan und auf dem europäischen Festland war er vorher noch nie. Viele US-Bürger haben es satt, als Touristen in Europa wegen ihrer Herkunft angefeindet zu werden, und wünschen sich nach acht Jahren George W. Bush ein besseres Image im Ausland. Derzeit gäbe es keine bessere Imagekur als Obama, den die große Mehrheit der Deutschen, Engländer und Franzosen wählen würde, wenn sie nur könnte.
Dennoch wird man fragen dürfen, wie tief die Einblicke sind, die er bei seinen Stippvisiten unter einer hermetischen Sicherheitsglocke gewinnen konnte. (Diese Frage kann man im Übrigen auch bei McCains acht Irakreisen stellen.) Mit dem Bildmaterial der ersten beiden Tage kann die Obama-Kampagne zufrieden sein: Sie zeigen den Kandidaten als Staatsmann im Gespräch mit Afghanistans Präsidenten Hamid Karsai und als Basketballer mit GIs in Kabul. In einer Gesprächsrunde mit dem Gouverneur von Nangarhar sah er dagegen aus wie ein neugieriger Schuljunge. Ob seine Begegnungen, bei denen Obama vor allem zuhören will, weil er eben noch nicht Präsident auf Auslandsreise ist, seine Glaubwürdigkeit als Oberkommandierender daheim stärken, ist daher alles andere als sicher.