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Merken   Drucken   04.02.2009, 08:58 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Obamas Qual der Ortswahl  

Der US-Präsident will in den kommenden Monaten die große Versöhnungsrede in einem muslimischen Land halten. Vieles spricht dafür, eine Stadt fern der arabischen Welt zu bevorzugen. von Benjamin Dierks
Kaum hatte Barack Obama  angekündigt, eine Rede in einer wichtigen muslimischen Stadt halten zu wollen, da begann manch einer schon zu träumen vom Besuch des großen Mannes. Rafaat Othman etwa, Professor an der Al-Ashar-Universität in Kairo, kann sich keinen passenderen Ort vorstellen als die Moschee der eigenen Lehranstalt. Schließlich gehören Uni und Moschee zu den ältesten und renommiertesten Institutionen des sunnitischen Islam. Und immer wieder verurteilen die Religionsgelehrten hier Terrorakte religiöser Fundamentalisten.
Othman aber wird enttäuscht werden. Allein in der Ortswahl der Obama-Rede liegt so viel Symbolik, dass seine Berater zweimal hinsehen werden, wenn sie eine passende Umgebung aussuchen. Dabei wird ihnen auffallen, dass an der Ashar ein gewisser Isaddin al-Kassam studierte, ein Terrorist früher Stunde, der in den 30er-Jahren im britischen Mandatsgebiet Palästina Jagd auf jüdische Siedler machte. Heute tragen die Kassam-Raketen seinen Namen, mit denen die radikalislamische Hamas den Krieg im Gazastreifen provozierte. Auch Ahmed Jassin, der spätere Hamas-Gründer, drückte hier den Gebetsteppich. Keine gute Wahl also.
Viele kleine Stolpersteine
Das kleine Beispiel zeigt, in welchem Dilemma das Obama-Team bei der Vorbereitung der Rede steckt, die schon als historisch gilt, bevor sie gehalten ist. Die geplante Respektsbekundung für die muslimische Welt ist ein großer Zug, am Boden aber lauern viele kleine Hindernisse. Um bei Ägypten zu bleiben: Vieles spricht für einen Auftritt im größten arabischen Land. Kairo unterhält als eine von wenigen Regierungen in der Region volle diplomatische Beziehungen mit Israel und ist einer der wichtigsten Verbündeten der USA. Sowohl im Konflikt zwischen Israel und Hamas als auch in dem zwischen Hamas und der mit ihr rivalisierenden Fatah haben die Ägypter sich als Vermittler hervorgetan.

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