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Merken   Drucken   07.02.2009, 19:06 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Rücktrittsangebot - Späte Rückendeckung

Spätestens seitdem die Finanzkrise die Bundesrepublik voll erwischte, war klar, dass Glos nicht im Zentrum der Macht zu finden war. Das Rücktrittsangebot des Wirtschaftsministers war folgerichtig - dass Seehofer es nicht annimmt, ist ein später Akt der Rückendeckung. von Nikolai Fichtner (Berlin)
Amtsmüdigkeit wurde Michael Glos schon länger nachgesagt. Und spätestens als die Finanzkrise auch die Bundesregierung erwischte, wurde für alle sichtbar, dass der Wirtschaftsminister auch machtpolitisch abgemeldet war. Kanzlerin Angela Merkel zeigte sich fast täglich mit SPD-Finanzminister Peer Steinbrück und sonnte sich in dessen Kompetenz. Von Glos, dem die Welt der Finanzmärkte immer schon fremd war, hörte man lange Zeit nichts.
Was man anschließend hörte, klang eher nach Auftragsarbeit als nach eigenen Akzenten. Seit Oktober ist Horst Seehofer der starke Mann in der CSU - was Glos deutlich zu spüren bekam. Erst kam die Aufforderung aus München, doch mehr für das Erscheinungsbild der CSU in Berlin zu tun, auch gegen die Kanzlerin. Dann musste er sich wie ein Schuljunge öffentlich zurückpfeifen lassen, als er in einem Interview die Senkung der Krankenkassenbeiträge forderte - schließlich sind Steuer- und nicht Abgabensenkungen Parteiräson. Und in den letzten Wochen ließ Seehofer parteiintern immer deutlicher durchblicken, dass er die nächste Legislaturperiode ohne Glos plant.
Wenn Glos Seehofer nun seinen Rücktritt anbot, dann steckte dahinter vor allem eins: Er wollte den Zeitpunkt seines Abgangs selbst bestimmen. Es waren die Verletzungen der letzten Wochen und die mangelnde Anerkennung seiner Arbeit in der Partei, die Glos zu diesem Schritt veranlassten. Glos ist ein fränkischer Dickschädel, der sich nach Jahrzehnten in der Politik nicht vorführen lassen will. Sich von anderen aus dem Amt mobben zu lassen, dazu ist er zu stolz. Dass Seehofer den Rücktritt nicht annimmt, ist ein später Akt der Rückendeckung - auf Nachfrage.
  • FTD.de, 07.02.2009
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