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Merken   Drucken   15.07.2009, 16:46 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Steinbrücks Banker-Schelte verfehlt das Ziel  

Dirk Jens Nonnemacher ist ein dankbares Ziel: Mit seinen nach hinten gegelten Haaren und den Nadelstreifenanzügen verkörpert der Chef der maroden HSH Nordbank rein äußerlich das Klischee des gierigen Investmentbankers. von Meike Schreiber
Nun zieht er mal wieder Ärger auf sich, weil ihm die Eigentümer Hamburg und Schleswig-Holstein für das laufende Jahr einen Extra-Bonus von 2,9 Mio. Euro auszahlen, und das, obwohl die Bank eben erst mit Steuergeldern gerettet werden musste. Nicht nur die Opposition in den beiden Nordländern, sogar Bundesfinanzminister Peer Steinbrück drischt nun wahlkampftauglich auf Nonnenmacher ein. "Da kann einem schon der Kragen platzen", platzte Steinbrück heraus.
Leider ist aber die Welt nicht so einfach, wie sie sich Steinbrück gerne gemacht hätte. Fakt ist, dass es nicht mehr viele gute Banker gibt, die in der Lage sind, eine derart angeschlagene Bank wie die HSH Nordbank zu sanieren. Die wenigen geeigneten Kandidaten sind es leider gewohnt, mehr zu bekommen als die vorgeschriebenen 500.000 Euro im Jahr, außerdem dürften die meisten Banker vor den Haftungsrisiken und der politisch aufgeladenen Atmosphäre in Hamburg und Schleswig-Holstein zurückschrecken.
Man hat ja gesehen, wie lange es gedauert hat einen neuen Aufsichtsratschef für die HSH Nordbank zu finden. Auch die Suche nach einem neuen Risiko- und einem neuen Finanzchef läuft schon seit Monaten - bislang aber ohne Erfolg. Hinzu kommt, dass Nonnenmacher erst seit rund zwei Jahre bei der Bank ist und damit nicht die Verantwortung für die desolate Lage der Bank übernehmen muss. Auch formal ist Nonnenmacher nichts vorzuwerfen. Nach den Gesetzen, die Steinbrück zu verantworten hat, greift die Gehaltsobergrenze erst, wenn ein Institut Geld vom Bund bekommt. Auch bei der Landesbank Baden-Württemberg hat es der neue Vorstandschef Hans-Jörg Vetter daher geschafft, mehr als die 500.000 Euro für sich herauszuverhandeln. Insofern stellt sich die Frage, welchen Sinn diese starren Gehaltsgrenzen überhaupt machen.
Moralische Fragen muss sich Nonnenmacher aber sehr wohl stellen lassen. Er hätte etwa vorschlagen können, dass er die Hälfte des ausverhandelten Bonus erst in zwei Jahren bekommt, wenn er der Bank bis dahin erhalten bleibt. Damit hätte er deutlich machen können, dass er die Sorgen der Steuerzahler ernst nimmt.
  • FTD.de, 15.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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