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Merken   Drucken   30.07.2009, 08:47 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Steinmeiers Tragödie  

SPD-Kanzlerkandidat Frank-Walter Steinmeier stellt sein Wahlkampfteam vor. Der letzte Akt seines Dramas beginnt, an dessen Ende eine nur für die Partei heilsame Niederlage steht. von Joachim Zepelin
Kann man in diesen Tagen unglücklicher sein als Frank-Walter Steinmeier ? Dem trauen nach einer aktuellen Umfrage 17 Prozent der Deutschen den Job als Kanzler zu. Das sind noch weniger als das verbliebene Fähnlein, das seiner Partei die Treue hält. Jeder vierte SPD-Wähler würde sein Kreuz nicht bei Steinmeier machen. Dabei kann man gar nicht viel gegen ihn haben - offensichtlich aber noch weniger für ihn. Wenn Steinmeier heute die heiße Phase des bisher kalten Wahlkampfs einleitet, beginnt die letzte Etappe der kuriosesten Kandidatur der Nachkriegszeit. Es wäre ein Wunder, wenn an dessen Ende das Drama der SPD sich nicht als Tragödie des Frank-Walter Steinmeier vollendete.
Vor vier Jahren hatte man einen SPD-Kandidaten, der eine schwache Partei am Bein hatte. Gerhard Schröder war so übermächtig, dass er gegen den Willen vieler Genossen Neuwahlen ausrufen konnte. Heute ist die Partei noch schwächer, und sie hat einen Kandidaten, der nicht über ihr, auch nicht in ihr, sondern neben ihr steht und der als Novize zum ersten Mal für ein politisches Amt kandidiert. Er fällt dabei kaum auf, weil er so leise, so blass, so langweilig ist.
Idealbesetzung im Kanzleramt
Steinmeier war die Idealbesetzung für ein Amt, in das man nicht gewählt wird. Er war der loyale Diener Schröders, der ihn als Staatssekretär ins Kanzleramt mitnahm und ihn dort nach wenigen Monaten zum Minister machte. Dort zog Steinmeier sieben Jahre lang die Fäden. Im Verborgenen arbeitete er Aktenstapel durch, ließ die Ressortchefs antanzen, war deren Anlaufstelle. Einerseits hielt "Seine Effizienz", wie er getauft wurde, Schröder den Rücken frei. Andererseits setzte er dessen Politik im Kabinett durch.

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