Aber sie spielt doch eine Rolle. Die Erstversicherer - die mit Endkunden Geschäfte machen und die Kunden der Rückversicherer sind - wachsen auch in neue Größenklassen, eine Allianz von heute ist sehr viel schwerer als die Allianz von 1990. Die Risiken, ob Hurrikans, Elektrosmog oder Nanotechnologie, werden größer und sind komplizierter einzuschätzen. Deshalb macht der Deal Sinn. Swiss Re wollte auch durch Übernahmen wachsen, da musste sie zugreifen. Andere Gesellschaften ähnlichen Kalibers sind nicht auf dem Markt.
Die Übernahme wird andere Gesellschaften unter Zugzwang setzen, auch die Münchener Rück. Sie ist stolz darauf, dass sie eher unprofitables Geschäft aufgibt als einen Verlust einzufahren und ihr Umsatz deshalb auch gelegentlich schrumpft. Wie lange sie sich das noch leisten kann, ist jetzt offener denn je. Der Verlust der Weltmarktführerschaft muss die stolzen Münchener schmerzen.
Großes Altlastenproblem
Swiss Re zahlt wenig für GE Insurance Solutions - das hat seinen Grund. Die alte Employers Re, der Kern von GE Insurance Solutions, hat jahrzehntelang vor allem als Haftpflicht-Rückversicherer in den USA gearbeitet. Entsprechend groß ist das Altlastenproblem, von Asbest aus den fünfziger Jahren bis zu Arbeiterunfalldeckungen aus den Neunzigern. Swiss Re hat darauf bestanden, dass die Reserven der GE Insurance Solutions noch einmal kräftig aufgefüllt werden, bevor sie das Unternehmen kauft. Ob das ausreicht, werden die nächsten zehn Jahre zeigen.
Es gibt weitere Unwägbarkeiten: Kein Mensch weiß, wie viel Geschäft durch die Fusion verloren geht. Wenn ein Erstversicherer 25 Prozent eines Risikos bei Swiss Re und weitere 15 Prozent bei GE rückversichert hat, wird er kaum 40 Prozent bei der kombinierten Firma lassen - er muss sein Risiko streuen. Der künfige Swiss-Re-Chef Jacques Aigrain glaubt, dass er 70 Prozent des GE-Geschäfts halten kann, das könnte sich als zu optimistisch herausstellen.
Schließlich ist GE Insurance Solutions auch kulturell kein einfacher Fall. Das Unternehmen ist mit einer Reihe schlecht ausgeführter Übernahmen groß geworden und hat in den vergangenen drei Jahren rund 2000 Mitarbeiter ausgetauscht. Viele Fachleute sind gegangen. Das macht eine Integration nicht einfacher, denn dafür braucht die Swiss Re das Know How auf der anderen Seite.