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Merken   Drucken   27.02.2009, 14:01 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Telekom - Nur ein Zwischenhoch  

René Obermann hat einen überraschend guten Jahresbericht vorgelegt. Der Telekom-Chef hat sogar das Lächeln wieder gelernt. Doch die Schwierigkeiten liegen noch vor ihm. von Thomas Wendel (Bonn)
So entspannt hat man ihn lange nicht mehr gesehen, den Chef der Deutschen Telekom. Jovial, aber gleichzeitig ernsthaft beantwortet René Obermann  am Freitag bei der Vorlage der Bilanzzahlen für 2008 die Fragen zum Konzernumbau, neue Vorstände bei Europas (noch) größtem Telekommunikationskonzern, selbst zu den festgefahrenen Tarifverhandlungen mit den Gewerkschaften.
Obermann, der im Zuge der zahlreichen Datenskandale seines Konzerns im vergangenen Jahr zunehmend dünnhäutig reagiert hatte, er lächelt wieder. Wenigstens ein bisschen. Zur Verabschiedung seines langjährigen Finanzvorstandes Karl-Gerhard Eick , der an die Spitze des Handelskonzerns Arcandor  wechselt, lässt er es sogar öffentlich menscheln. Mit einem Anflug von Sentimentalität dankt er seinem "Kollegen" und wechselt dabei vom "Sie" zum vertraulichen "Du".
Beide haben schließlich etwas zu feiern. Der Gewinn des Konzerns ist im vergangenen Jahr trotz Finanzkrise und Rezession angestiegen, die Telekom generiert wieder mehr freie Barmittel, mit 20 Mrd. Euro Liquiditätsreserven kann das Unternehmen selbst zwei Jahre durchstehen, falls ihm die Banken keine Kredite mehr geben würden. "Wir haben uns erfolgreich gegen die Krise stemmen können", sagt Obermann. Die Telekom sei ein "sehr gesundes Unternehmen", sekundiert Eick.
Die beiden können sich auch privat darüber freuen. Im vergangenen Jahr hat der gesamte Telekom -Vorstand 33 Prozent höhere Vergütungen erhalten. Obermann verteidigt diesen Gehaltsanstieg, der so eigentlich gar nicht ins gesamtwirtschaftliche Umfeld passt. "Wir haben uns nichts vorzuwerfen, unverhältnismäßig hohe Boni auszuschütten", sagt er. Schließlich würden ja auch die Zahlen deutlich besser ausfallen als zuvor.
Die besseren Zahlen von gestern können aber morgen das Problem sein. Und nicht nur deshalb, weil sie wahrscheinlich nicht von Bestand sein werden. Die hohen Gehaltzuwächse für die Führungsetage und die positiven Bilanzkennziffern dürften zunächst einmal den Appetit der Gewerkschaft Verdi steigern, bei den laufenden Tarifverhandlungen auch für die einfachen Telekom-Mitarbeiter deutlich höhere Gehälter durchzusetzen. Das wäre legitim.

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