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Merken   Drucken   11.06.2007, 11:59 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Trügerische Ruhe  

Der aktuelle Aufschwung überdeckt die wirtschaftlichen Ungleichgewichte in Europa. Die Finanzpolitik sollte sich jetzt auf den nächsten Abschwung vorbereiten. von Sebastian Dullien und Daniela Schwarzer
Es scheint, als habe der Aufschwung alle drängenden wirtschaftlichen Probleme in Europa gelöst: Alle Euro-Länder haben zu einer akzeptablen wirtschaftlichen Dynamik zurückgefunden, die Arbeitslosigkeit sinkt, und dank steigender Staatseinnahmen dürften die öffentlichen Defizite in allen Euro-Ländern außer Portugal 2007 wieder unter der Marke von drei Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegen.
Auch die Debatte um das Auseinanderdriften der Konjunkturentwicklung im Euro-Raum ist abgeflaut. Seit in Deutschland wieder verstärkt investiert und konsumiert wird, können auch die Italiener ihre Produkte wieder besser absetzen. Italiens Exporte lagen im ersten Quartal rund 13 Prozent höher als vor Jahresfrist, aktuelle Prognosen sehen das italienische Wirtschaftswachstum 2007 wie 2008 bei knapp zwei Prozent. Deutschland hat sich zum Zugpferd der Euro-Zone entwickelt, auch für Problemländer wie Italien.
Gefährliche Kettenreaktion
Tatsächlich sind die Ungleichgewichte jedoch keineswegs behoben. Spaniens Leistungsbilanzdefizit dürfte laut OECD-Schätzung in diesem Jahr erstmals die Zehn-Prozent-Marke überschreiten und könnte 2008 trotz langsameren Wachstums sogar noch weiter zulegen. Portugal und Griechenland weisen Fehlbeträge von knapp unter zehn Prozent des BIPs auf. Derweil wächst der deutsche Leistungsbilanzüberschuss trotz anziehender Binnennachfrage weiter und könnte 2008 auf sieben Prozent des Bruttoinlandsprodukts klettern, nach rund fünf Prozent 2006. Dies ist höchst ungewöhnlich: Üblicherweise legen bei stärkerer Inlandsnachfrage die Importe stärker zu als die Exporte.

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