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Merken   Drucken   29.05.2008, 13:02 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Unschuldig. Alle. Schon immer.  

Telekom-Vorstände sind die geborene Unschuld. Aktive Vorstände allemal. Illegal handeln im Zweifelsfall nur untere Abteilungsleiter - eine billige Ausrede, die Konzernchef Obermann der Öffentlichkeit präsentiert. von Volker Müller
Erfolge sind stets die eigenen, Misserfolge stets die der Vorgänger. Scheint die Sonne, führt der Vorstand einen Konzern, wie es das Aktienrecht will, gemeinschaftlich. Fällt Regen, zeigt jeder auf den anderen: Du bist schuld.
Die Telekom  exerziert das in Reinkultur: Niemand ist schuld an der Bespitzelung eigener Manager und Aufsichsräte oder gar Journalisten. Kein Vorstand und kein Aufsichtsrat. Weder heute noch gestern. Es waren, suggeriert der Konzern, unbekannte Mächte, Abteilungsleiter aus der dritten Reihe oder Außenstehende, die Gesetze gebrochen hätten. So sehr Ex-Konzernchef Kai-Uwe Ricke  und Ex-Oberaufseher Klaus Zumwinkel  auch nach Hinweisen gierten, wo die Lecks im Tanker Telekom waren.
Vielmehr ist die Telekom stolz, wie gut sie die Vorgänge aufgearbeitet hat. Geräuschlos, ohne Staub aufzuwirbeln. Und wie vorbildlich Konzernchef René Obermann  gehandelt hat: Er hat den Sicherheitschef entlassen und ein paar Mitarbeiter versetzt. Heimlich. Seither haben sich alle wieder lieb: Mitarbeiter, Vorstände, Aufsichtsräte. Schon haben die Kontrolleure dem Vorstandschef wieder ihr vollstes Vertrauen ausgesprochen.
2005 war Heinz Klinkhammer  zuständiger Vorstand für die Sicherheitsabteilung. Aber er ist ebenso unschuldig. Die Bespitzelung sei an ihm vorbeigelaufen. Seine Mitarbeiter hätten ihn nicht informieren wollen. Mangelnde Aufsicht sei ja kein Verbrechen. Und Ricke? Und Zumwinkel? Haben nie etwas mitbekommen, haben nie Aufträge erteilt. Das dürfe ein Aufsichtsrat ja auch gar nicht. Und schon gar nicht illegal handeln.
Vergessen wir also den Bruch des Fernmeldegeheimnisses, vergessen wir das Grundgesetz und die Privatsspähre, vergessen wir Bespitzelung und Täuschung, versuchten Diebstahl und manche Stasi-Methode. Ob bei "Capital" oder der FTD. Schließlich ist ja heute alles wieder in Ordnung, sagt René Obermann. Und der ist ja bekanntlich unschuldig. Sagt die Telekom.

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  • FTD.de, 29.05.2008
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