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Merken   Drucken   31.07.2009, 13:22 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Wenn der Pressesprecher dementiert  

In der Wirtschaft mehren sich fragwürdige Dementis. Für einen winzigen Zeitvorsprung verspielen Unternehmen das Vertrauen von Kunden und Aktionären. Nicht nur VW und Porsche sind dafür Beispiele. von Klaus Max Smolka
Alle reden über Politikverdrossenheit, weil Politiker so viel lügen. Die Leute glauben nichts und niemandem mehr - und wer will es ihnen verdenken. Es ist aber Zeit, auch den Begriff Wirtschaftsverdrossenheit in den Wortschatz aufzunehmen. Denn was Manager und ihre Sprachrohre der Öffentlichkeit an unglaubwürdigen Äußerungen zumuten, macht nicht minder zynisch.
Aktuell war das im Machtkampf zwischen Porsche  und Volkswagen  zu beobachten. Zugegeben, diese Auseinandersetzung war eine Schlammschlacht, die den Beteiligten Charakter abforderte. Offenkundig lancierten allerlei Hintermänner Gerüchte und versuchten, die öffentliche Meinung zu manipulieren. In solchen Situationen machen dann häufig auch Personalien die Runde: Vorstandsmitglied X bereite seinen Rücktritt vor, zum Beispiel. Und einen wahrscheinlichen Nachfolger gebe es auch schon.
Demontage droht
So etwas ist für jedes Unternehmen unangenehm, denn die Belegschaft, die Kunden, die Lieferanten sind verunsichert. Dem betroffenen Manager droht die Demontage.
Kritiker ermahnen die Presse daher zu Recht, vorsichtig damit umzugehen. Sie soll die Informationen sorgfältig prüfen, weitere unabhängige Quellen suchen - und vor allem: dem Unternehmen Gelegenheit geben, seine Sicht der Dinge zu schildern.
Natürlich muss sich ein Manager, ein Konzern nicht äußern. Er kann sich entschließen, gelassen die Gerüchteküche köcheln zu lassen und zu schweigen. Vielleicht stimmt die Information, vielleicht auch nicht - der Leser muss sich selbst eine Meinung bilden.
Oder das Unternehmen ringt sich durch, das Gerücht doch zu kommentieren - offiziell oder hinter vorgehaltener Hand. Und stellen wir uns für eine idealistische Minute vor, unsere Manager und ihre Sprecher verhielten sich dabei alle ehrlich. Viele Falschmeldungen entstünden gar nicht erst. Wenn der Konzern es für richtig hält, einen Kommentar abzugeben, klärt sich vieles von selbst. Wenn aber doch eine Ente den Weg in die Medien fände und der Konzern dementierte sie - nun, das Publikum würde den Managern glauben, nicht den Medien.
  • Aus der FTD vom 31.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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