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Merken   Drucken   26.09.2008, 12:00 Schriftgröße: AAA

Kommentar: Wiedeking muss runter vom Gas  

Zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und dem Porsche-Chef herrscht kalter Krieg. Der Automanager kann viel gewinnen wenn er nachgibt. von Sven Clausen
Es war der 17. April 2005, als SPD-Chef Franz Müntefering erfolgreich diffamierte. Seitdem heißen Finanzinvestoren im Zweifelsfall Heuschrecken und stehen unter Generalverdacht, anständige deutsche Traditionsunternehmen auszusaugen.
Gut 40 Monate später richtet sich der Bannstrahl der Politik auf eines dieser Traditionsunternehmen selbst: die Porsche AG. Vor 18.000 VW-Beschäftigten reitet Kanzlerin Angela Merkel am Dienstag gegen die Stuttgarter eine Verbalattacke nach der anderen. "Wir kämpfen weiter", heißt es in Klassenkampfrhetorik. Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff (CDU) sekundiert: "Die Welt wird nicht vom Geld allein regiert."
Was ist passiert, wenn die große Politik innerhalb weniger Monate von der Schutzmacht zum Aggressor wird und das Visier dermaßen hochklappt? Es stehen sich gegenüber: Merkel, die politische Führerin der größten Volkswirtschaft Europas, zudem Vorsitzende der CDU, einer den Unternehmern eher zugeneigten Partei. Und Wendelin Wiedeking, der aktuell erfolgreichste Manager der deutschen Autoindustrie, der wichtigsten Branche dieser Volkswirtschaft.
Streit um den Anspruch auf Führung
Das ist paradox, und daher muss es um mehr gehen als um zwei Autokonzerne oder ein paar billige Wahlkampfpunkte. Wer so beherzt diffamiert, der hat etwas Wichtigeres im Blick: die Systemfrage. Wer hat die Macht im Land? In den vergangenen Jahren hatten Topmanager systematische Reformen verlangt - und sie bekommen. Doch rasch nährten sie den Verdacht, dass sie zu Vorbildern nicht taugen. In ihren Reihen sind allzu viele Steuerflüchtlinge, dilettantische Banker und unfähige Chefs, die sich ihren Rausschmiss vergolden ließen. Den VW-Konflikt nimmt Merkel zum Anlass, klarzumachen, wer wirklich den Führungsanspruch in der Republik verdient.
Anders ist nicht zu erklären, warum sich die Akteure so verkeilt haben. Ordnungspolitisch ist die Sache unkompliziert: Nach Paragraf 179 des Aktiengesetzes soll die Sperrminorität, mit der wesentliche Beschlüsse auf der Hauptversammlung blockiert werden können, in allen Aktiengesellschaften grundsätzlich bei 25 Prozent liegen. Das VW-Gesetz schreibt - bundesweit einmalig - eine Ausnahme fest. Es setzt die Sperrminorität bei 20 Prozent an, gerade so viel, dass es für Niedersachsen mit seinem Anteil reicht. Logisch ist das nicht. Dagegen klagt Porsche vor dem Europäischen Gerichtshof (EuGH). Merkel müsste das VW-Gesetz eigentlich missfallen. Denn die Physikerin denkt gerne logisch, und da liegt es nahe, VW wie jedes andere deutsche Unternehmen auch dem Aktiengesetz unterzuordnen.

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