"Versenkt die G8", forderten einige Demonstranten, die es an den hypernervösen japanischen Sicherheitskräften vorbei zu einer legalen Demonstration in der Nähe des Tagungsortes des G8-Gipfels geschafft hatten. Wieder einmal provoziert das Jahrestreffen der mächtigsten Staats- und Regierungschefs der Welt Gegner, die dort den Hort aller Übel ausmachen: Kapitalismus, Neokolonialismus, Umweltzerstörung.
Die radikalen Kritiker sind allerdings in der Minderheit. Für die weltweiten Bürgerinitiativen, große wie kleine Nichtregierungsorganisationen, sind die G8 inzwischen ein wichtiger Ansprechpartner. Auf dem G8-Gipfel wird einmal im Jahr öffentlich verhandelt, ob die ewigen Versprechungen der Mächtigen für eine bessere Welt erfüllt werden.
Wie in jedem Jahr fällt diese Bilanz auch auf diesem Gipfel in Toyaku eher bescheiden aus. Die Politiker beenden ihre Treffen zwar stets mit Erfolgsmeldungen, aber Klimaschutz und Entwicklung, Handelsrunden und Finanzmarktregulierung kommen nur schleppend voran. Trotzdem ist die Gruppe, ist vor allem der G8-Prozess nötig. Die G8 und ihre Gäste aus den Schwellen- und Entwicklungsländern definieren den Rahmen der internationalen Politik. Sie können aber nur dann ihren Einfluss behalten, wenn sie sich neu definieren, ihre Arbeit umstrukturieren und die Vereinten Nationen reformiert werden.
Von den G8 zu den G13
Die G8 sind eine Gruppe, die sich selbst ernannt hat und formal durch nichts legitimiert ist. Theoretisch ist die Uno das Zentralorgan der Weltpolitik, faktisch sind es die G8. Die G8 haben Geld und Macht, in der Uno-Vollversammlung können dagegen die Armen die Reichen überstimmen. Beide Methoden funktionieren für sich allein nicht.
Die westlichen Industrieländer, als Fünferclub gestartet und dann auf sieben Länder erweitert, haben das schon länger erkannt und nach und nach weitere Akteure in ihre Treffen einbezogen. Indien und China, Brasilien und Südafrika sind seit fünf Jahren regelmäßig dabei, 2007 wurde die Zusammenarbeit zwischen G8 und G5 (auch Mexiko ist dabei) als Heiligendamm-Prozess formalisiert. Nimmt man die Afrika-Partnerschaft dazu, ist ein Gebilde entstanden, das für Normalbürger in aller Welt ähnlich undurchschaubar ist wie die EU für Normaleuropäer.