In den vergangenen Tagen bin ich auf vier Theorien gestoßen, wie wir in den jetzigen Schlamassel hineingeraten konnten. Der ersten Variante zufolge besteht das Problem darin, dass zu viele Männer das Sagen haben. Hätten Frauen den Laden geschmissen, wären diese nicht so hohe Risiken eingegangen, und die Banken würden noch immer Kredite vergeben, und die Wirtschaft würde noch immer wachsen.
Diese These ist sentimental, nicht beweisbar und blöde. Wir haben keine Ahnung, wie eine Wirtschaft aussehen würde, in der nur Frauen das Sagen haben, weil es eine solche Wirtschaft noch nie gab. Angesichts der Erfahrungen, die ich an einer rein von Frauen besuchten Bildungseinrichtung gesammelt habe - einem Frauenkolleg der Universität Oxford -, neige ich zu der Annahme, dass die Situation jetzt wohl kaum anders wäre.
Die zweite Erklärung macht für die Krise nicht zu viele Männer an der Spitze verantwortlich, sondern zu viele Alphatiere. Danach soll das Problem darin bestanden haben, dass die Unternehmensführer zu autokratisch agierten. Hätten sie stattdessen Neugier und Bodenhaftung bewahrt, wäre das alles nicht passiert.
Wer neugierig ist, wird kein Banker
An dieser Theorie stimmt zweierlei nicht: Erstens ist sie unrealistisch, was die menschliche Natur angeht. Reife Menschen mit Bodenhaftung streben normalerweise keine Führungsposition an. Wer Bodenhaftung hat, hegt kein Verlangen danach, dass andere Menschen ihm folgen, weil es eine Plage ist, man Verantwortung trägt und eigentlich ganz zufrieden mit dem ist, was man hat. Und wer neugierig ist, der strebt eher eine Karriere als Privatdetektiv oder Journalist an als die eines Bankers oder Managers.
Überhaupt ist die Theorie, wonach autoritäre Führung das Bankensystem zum Einsturz brachte, einfach falsch. Das Problem war nicht zu viel Führung, sondern zu wenig. Jeder hat einfach blind das nachgemacht, was alle anderen auch taten. Es fehlte jemand, der entschieden sagte: Jetzt reicht's.