Immerhin, an einer Front hat die Bahn jetzt ihre Ruhe. Anders als es noch vor einer Woche zu erwarten war, haben Vorstand und Gewerkschaften den Tarifkonflikt zügig beigelegt. Nach dem nervtötenden Arbeitskampf der Lokführer vor einem Jahr ist das eine gute Nachricht: für die Beschäftigten, die für Rezessionszeiten bemerkenswerte Konditionen ausgehandelt haben. Aber auch für die Bahn, die sich mit dem Abschluss Streiks erspart und die aufgebrachten Mitarbeiter beruhigt, wenn auch zu einem hohen Preis.
Darüber hinaus bemüht sich die Konzernspitze nach Kräften, die Lage an der zweiten Front zu entschärfen. In der Affäre um den Datenabgleich bei 173.000 Mitarbeitern hat Bahn-Chef
Hartmut Mehdorn die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Vorwürfe prüfen zu lassen. Das Signal ist klar: So etwas tut nur, wer nichts zu verbergen hat.
Gleichwohl führt diese Botschaft in die Irre. Aufgabe der Staatsanwälte ist es, die Rasterfahndung unter strafrechtlichen Gesichtspunkten aufzuarbeiten. Für datenschutzrechtliche Belange, um die es hier fraglos geht, ist die Behörde jedoch die falsche Adresse. Wenn die Staatsanwälte der Bahn nichts zur Last legen können, bedeutet das daher noch nicht, dass ihr Vorgehen einwandfrei war.
Aber auch aus einem anderen Grund ist Mehdorns Verteidigungsstrategie wackelig. Mit Recht hat der Bund als Eigentümer des Konzerns in Person von Kanzlerin und Verkehrsminister bereits klargestellt, dass es bei einem öffentlichen Unternehmen um mehr geht als nur um strafrechtliche Kategorien. Die Regierung kann erwarten, dass gerade ein Staatskonzern im Umgang mit seinen Mitarbeitern nur zu Mitteln greift, die auch zielführend und verhältnismäßig sind.
Bahn-Spitze schweigt
Umso auffälliger ist das Schweigen der Bahn-Spitze zu der Frage, warum es unerlässlich war, drei Viertel der Belegschaft zu überprüfen, obwohl nur ein Bruchteil davon Einfluss auf die Vergabe von Aufträgen hatte. Das spricht entweder für den Verdacht, dass hinter der Operation andere Motive steckten. Oder es beweist, dass die Rasterfahndung alles andere als verhältnismäßig war.
Zum Desaster wird Mehdorns starrsinniges Krisenmanagement dadurch, dass er sich die Einmischung der Politik verbittet. Einen solchen Affront gegen den Eigentümer mag sich der Bahn-Chef leisten können, wenn er es nur mit dem leichtgewichtigen Verkehrsminister zu tun hat. Legt er sich auch mit der Kanzlerin an, kann er nur verlieren.