FTD.de » Meinung » Kommentare » Mit dem Sturkopf gegen die Wand

Merken   Drucken   01.02.2009, 20:44 Schriftgröße: AAA

Leitarikel: Mit dem Sturkopf gegen die Wand  

Das starrsinnige Krisenmanagement von Bahn-Chef Hartmut Mehdorn in der Datenaffäre ist ein Affront gegen die Bundesregierung. Einen Machtkampf mit der Kanzlerin kann er jedoch nur verlieren.
Immerhin, an einer Front hat die Bahn jetzt ihre Ruhe. Anders als es noch vor einer Woche zu erwarten war, haben Vorstand und Gewerkschaften den Tarifkonflikt zügig beigelegt. Nach dem nervtötenden Arbeitskampf der Lokführer vor einem Jahr ist das eine gute Nachricht: für die Beschäftigten, die für Rezessionszeiten bemerkenswerte Konditionen ausgehandelt haben. Aber auch für die Bahn, die sich mit dem Abschluss Streiks erspart und die aufgebrachten Mitarbeiter beruhigt, wenn auch zu einem hohen Preis.
Darüber hinaus bemüht sich die Konzernspitze nach Kräften, die Lage an der zweiten Front zu entschärfen. In der Affäre um den Datenabgleich bei 173.000 Mitarbeitern hat Bahn-Chef Hartmut Mehdorn  die Staatsanwaltschaft eingeschaltet, um die Vorwürfe prüfen zu lassen. Das Signal ist klar: So etwas tut nur, wer nichts zu verbergen hat.
Gleichwohl führt diese Botschaft in die Irre. Aufgabe der Staatsanwälte ist es, die Rasterfahndung unter strafrechtlichen Gesichtspunkten aufzuarbeiten. Für datenschutzrechtliche Belange, um die es hier fraglos geht, ist die Behörde jedoch die falsche Adresse. Wenn die Staatsanwälte der Bahn nichts zur Last legen können, bedeutet das daher noch nicht, dass ihr Vorgehen einwandfrei war.
Aber auch aus einem anderen Grund ist Mehdorns Verteidigungsstrategie wackelig. Mit Recht hat der Bund als Eigentümer des Konzerns in Person von Kanzlerin und Verkehrsminister bereits klargestellt, dass es bei einem öffentlichen Unternehmen um mehr geht als nur um strafrechtliche Kategorien. Die Regierung kann erwarten, dass gerade ein Staatskonzern im Umgang mit seinen Mitarbeitern nur zu Mitteln greift, die auch zielführend und verhältnismäßig sind.
Bahn-Spitze schweigt
Umso auffälliger ist das Schweigen der Bahn-Spitze zu der Frage, warum es unerlässlich war, drei Viertel der Belegschaft zu überprüfen, obwohl nur ein Bruchteil davon Einfluss auf die Vergabe von Aufträgen hatte. Das spricht entweder für den Verdacht, dass hinter der Operation andere Motive steckten. Oder es beweist, dass die Rasterfahndung alles andere als verhältnismäßig war.
Zum Desaster wird Mehdorns starrsinniges Krisenmanagement dadurch, dass er sich die Einmischung der Politik verbittet. Einen solchen Affront gegen den Eigentümer mag sich der Bahn-Chef leisten können, wenn er es nur mit dem leichtgewichtigen Verkehrsminister zu tun hat. Legt er sich auch mit der Kanzlerin an, kann er nur verlieren.
  • Aus der FTD vom 02.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  18.05. Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf "Angela Merkel eiskalt"
Pressestimmen zum Röttgen-Rauswurf: "Angela Merkel eiskalt"

Deutschlands Leitartikler zeigen sich verwundert über Merkels schroffe Art bei Röttgens Zwei-Minuten-Rausschmiss, erkennen dafür aber gute Gründe. Einer sieht die alte Merkel zurückkehren. mehr

 



  18:35 Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten
Vermischtes: Deutsches Mädchen jahrelang als Sklavin gehalten ...

In Bosnien ist ein deutsches Mädchen acht Jahre lang als Sklavin gehalten worden. mehr

Mehr zu: Bosnien, Deutsche

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote