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Merken   Drucken   21.01.2008, 20:42 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Absurde Arbeitsstatistik  

Wer sucht, der findet, sagt der Volksmund. Wer nichts mehr findet, der sucht auch nichts mehr, ist der neueste arbeitsmarktpolitische Salto der Koalition. Absurder und psychologisch verheerender geht es kaum.
Nach den Gesetzesplänen der Regierung sollen ältere Arbeitslose ab dem 58. Lebensjahr, die seit einem Jahr kein Jobangebot mehr erhalten haben, künftig automatisch aus der Arbeitslosenstatistik gestrichen werden. Aus einer Option, die ältere Langzeitarbeitslose bisher schon freiwillig wahrnehmen konnten, würde damit der Regelfall.
Und im Klartext die Botschaft: Wer als Älterer keinen Job mehr findet, ist nicht mehr arbeitslos, sondern für den Arbeitsmarkt schlicht unbrauchbar. Selbst als Nummer in der Statistik wird er in diesen Fällen überflüssig.
Dass eine solche Regel dramatischen politischen Flurschaden anrichten kann, müsste eigentlich jeder sofort merken, der nicht völlig in großkoalitionärer Selbstherrlichkeit versunken ist.
Zum einen ruiniert der Taschenspielertrick die Glaubwürdigkeit der so geschönten Statistik. Vor allem aber dementiert die Politik damit auf geradezu zynische Weise selbst, was sie in Sonntagsreden immer wieder predigt: Ältere Arbeitnehmer werden gebraucht, ihre Bindung an den Arbeitsmarkt ist eine der wichtigsten Aufgaben der Zukunft. Ach ja, wirklich?
Schon das populäre Vorhaben, Älteren länger das reguläre Arbeitslosengeld zu zahlen, ist ein vergiftetes Geschenk: Es kann dazu führen, dass Ältere wieder schneller entlassen und später eingestellt werden. Wenn sie bald noch dazu bei längerer Jobsuche mit dem Stempel "hoffnungsloser Fall" aussortiert werden, ist das ein fatales Signal. Die immer weiter wuchernden Spezialprogramme zur Unterstützung Älterer sind da nicht mehr als teure Trostpflaster.
  • Aus der FTD vom 22.01.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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