Anfang des Jahres hat Deutsche-Bank-Chef
Josef Ackermann vor einer Tsunami-ähnlichen Schockwelle durch die kriselnden US-Anleiheversicherer gewarnt. So weit ist es zwar noch nicht. Die Finanzkrise schüttelt mittlerweile aber auch die größte deutsche Privatbank kräftig durch. Weitere Abschreibungen in Höhe von 2,3 Mrd. Euro musste Ackermann im zweiten Quartal vornehmen, der weitaus größte Anteil davon auf notleidende US-Immobilienkredite.
Dass die Bank für das Frühjahrsquartal dennoch einen halbwegs ordentlichen Gewinn ausweist, liegt an einem gehörigen Maß an Kosmetik. Ohne Beteiligungsverkäufe und die Auflösung von Steuerrückstellungen hätte sich das Ergebnis weitaus schlechter gelesen.
Aus Sicht der
Deutschen Bank ist es verständlich, dass sie nach dem Abrutschen in die Verlustzone im Vorquartal zu allen legalen Mitteln gegriffen hat, um die Bilanz aufzuhübschen. Klar ist aber auch: Ein solcher Schritt lässt sich nicht beliebig wiederholen, ohne die Investoren zu beunruhigen. Und auch auf der Kostenseite ist nicht mehr viel Spielraum, nachdem die Boni der Mitarbeiter bereits drastisch gekappt wurden.
Wichtiger als ein Quartal durch Einmaleffekte aufzupolieren ist es für die Bank, den Anlegern eine Orientierung zu geben, wo die Reise in diesem Geschäftsjahr hingeht. Zwar mühte sich das Institut am Donnerstag um Transparenz, indem es mehr Details zu Risikopositionen offenlegte. Dennoch lässt sich nach wie vor nicht erkennen, welches Ziel die Bank für dieses Jahr anpeilt.
Solange Ackermann eine Prognose verweigert, müssen die Investoren ihre Schlüsse aus seinen Aussagen ziehen. Die Bank warnt explizit vor massiven Problemen im Kreditgeschäft infolge der abflauenden Konjunktur. Das kann nur heißen, dass Ackermanns Tsunami-Warnung weiter gilt.