Dieser Rausschmiss hat sich gewaschen. So abrupt und schroff wie David McKiernan, der bisherige US-Oberbefehlshaber in Afghanistan, ist schon sehr lange kein amerikanischer General mehr abgelöst worden.
Die Regierung in Washington will ein klares Zeichen setzen: Präsident Barack Obama ist mit der Entwicklung am Hindukusch extrem unzufrieden. Und es liegt nahe, für die jüngsten Misserfolge einen Befehlshaber verantwortlich zu machen, der zwar erst ein knappes Jahr amtiert, der aber noch von Obamas Vorgänger George W. Bush ernannt worden ist.
Der neue Mann, Drei-Sterne-General Stanley McChrystal, soll nun für Hoffnung und Aufbruch stehen. Und für eine veränderte Strategie, mit der ein Krieg gewonnen werden soll, den auch Obama immer für richtig gehalten hat und den er ganz oben auf seine außenpolitische Agenda gesetzt hat.
Die Symbolik des Neuanfangs kann jedoch leicht in die Irre führen. Es ist ja nicht so, als müsste die Strategie für Afghanistan erst noch einmal völlig neu erfunden werden. Die USA setzen dort schon länger auf jenen Ansatz, der im Irak erfolgreich war: entschlossene Vertreibung von Terroristen und Aufständischen; anschließend intensiver Wiederaufbau, abgesichert durch ein dichtes Netz kleiner Militärposten, die sehr eng mit den lokalen Sicherheitskräften zusammenarbeiten.
Dass dies unter McKiernan nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat, ist ein Warnsignal. Es mag zwar tatsächlich Führungsfehler des Generals gegeben haben. Umso größer ist aber jetzt die Bewährungsprobe.
Obama hat eine Art "Surge" angekündigt, eine Truppenaufstockung, die - wie im Irak - eine deutliche Stabilisierung der Sicherheitslage erreichen soll. Dafür braucht er möglichst viel internationale Unterstützung.
Dieser neue große Anlauf muss dann auch bald sichtbare Erfolge liefern. Eine weitere Erosion der Verhältnisse können sich weder die westlichen Helfer noch die Regierung in Kabul leisten. In Afghanistan wird es jetzt ernst für Obama.