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Merken   Drucken   02.07.2009, 18:37 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Afghanistan - Schwerter und Pflugschare  

Die Kehrtwende in der amerikanischen Strategie in Afghanistan kommt zu spät. Aber sie ist richtig. Mit militärischer Stärke allein lässt sich der Krieg nicht gewinnen - ohne sie jedoch auch nicht.
Punkt für Punkt arbeitet Barack Obama  sein außenpolitisches Programm ab. Nur wenige Tage, nachdem sich die amerikanische Armee aus den Städten im Irak zurückgezogen hat, startet der US-Präsident in Afghanistan die erste große Offensive seit seinem Amtsantritt. Selbst wenn es keinen direkten Zusammenhang zwischen beiden Ereignissen gibt, so geht von ihnen doch ein klares Signal aus: Für Obama liegt der wichtigere Kriegsschauplatz in Afghanistan. Und er ist entschlossen, den militärischen Druck auf die Taliban deutlich zu erhöhen.
Das Besondere an dieser Großoffensive ist, dass die Amerikaner dabei nicht auf blinde militärische Stärke setzen. Natürlich wird es auch zu Kämpfen kommen, wenn 4000 Elitesoldaten unterstützt von der afghanischen Armee in der Südprovinz Helmand gezielt gegen Taliban-Hochburgen vorrücken. Zur Gewalt gibt es jedoch keine realistische Alternative - es sei denn, die Amerikaner und ihre Verbündeten sind bereit, ganze Landstriche den radikalen Muslimen zu überlassen.
Die neue Qualität der Operation "Schwertschlag" liegt vielmehr in einem anderen Punkt: der Verzahnung von militärischen und zivilen Elementen. Dieser Ansatz stellt mehr dar als kleine Justierungen der US-Kriegsstrategie, wie es sie seit dem Einmarsch in Afghanistan 2001 immer wieder einmal gab. Es ist ein drastischer Kurswechsel. Das Problem ist nur, dass er viel zu spät erfolgt.
Zu lange haben die USA daran festgehalten, dass sie am Hindukusch für die Kriegsführung zuständig sind, während sich ihre Partner um den zivilen Wiederaufbau kümmern. Wenn es eine Lehre aus dem Irakkrieg gibt, die sich auf Afghanistan übertragen lässt, dann ist es diese: Es reicht nicht, wenn internationale Truppen in den Hochburgen der Extremisten hart zuschlagen und sich dann wieder zurückziehen. Sie müssen das Einsatzgebiet längerfristig sichern und verhindern, dass die Aufständischen die Kontrolle zurückgewinnen. Nur auf diese Weise können die Truppen Sicherheit für die Bevölkerung schaffen, zivilen und wirtschaftlichen Wiederaufbau ermöglichen und das Vertrauen der Afghanen gewinnen.
An diesen Ansatz glauben die Europäer schon lange. Doch statt nun zu feixen, dass sie schon immer die bessere Strategie verfolgt haben als die USA, sollten sie die Amerikaner mit aller Kraft unterstützen - auch mit der Entsendung zusätzlicher Soldaten. Es ist die letzte Chance für Afghanistan.
  • Aus der FTD vom 03.07.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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