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Merken   Drucken   09.04.2008, 19:04 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Albtraum Dreamliner  

Die Geschichte wiederholt sich. Bereits zum dritten Mal hat der US-Flugzeughersteller Boeing den Auslieferungstermin für sein Prestigeprodukt 787 Dreamliner verschoben, die gesamte Verspätung beträgt inzwischen 15 Monate. Erinnerungen werden wach.
Denn das Desaster erinnert sehr an die Probleme, die Boeing s Rivalen Airbus vor zwei Jahren beim Riesenjet A380 in eine heftige Krise stürzten. Bahnbrechende Innovationen wie der doppelstöckige A380 oder der Dreamliner, der zum größten Teil aus Verbundwerkstoffen besteht, werden selten in der ursprünglich geplanten Frist abgeliefert. Doch sowohl Airbus als auch Boeing setzten alles daran, die imageschädigenden Verzögerungen so lange wie möglich zu kaschieren. Das war nicht nur ein kommunikatives Desaster gegenüber den Anlegern und der breiteren Öffentlichkeit, sondern auch extrem kurzsichtig: Hohe Vertragsstrafen müssen die Unternehmen für die verspätete Auslieferung der Flugzeuge am Ende so oder so bezahlen.
Boeing und Airbus kämpfen bei ihren Großprojekten mit vielen vergleichbaren Problemen - allerdings unter komplett verschiedenen Bedingungen.
Airbus, Teil des EADS -Konzerns, fertigt einen deutlich kleineren Teil seiner Flugzeugkomponenten im Dollar-Raum als sein Konkurrent. Angesichts des extrem schwachen Dollar entwickelt sich dieser Umstand für das europäische Unternehmen zu einer fundamentalen Bedrohung. Zugleich steht EADS deutlich stärker unter dem Einfluss der Politik - speziell der deutschen und der französischen -, als dies bei Boeing der Fall ist.
Bei Airbus mag man sich insgeheim über die jüngste Verzögerung bei Boeings 787 freuen. Doch das wäre höchstens ein schwacher Trost. Wenn Airbus seine Strukturen nicht tief greifend umbaut, kann es für Boeing auf Dauer kein ebenbürtiger Gegner bleiben.
  • Aus der FTD vom 10.04.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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