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Merken   Drucken   02.03.2009, 20:27 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Angst essen Wall Street auf  

Die Aktienanleger haben die Botschaft vom Stimulus zwar gehört - aber sie glauben nicht daran. Die Liste der Risikofaktoren und Probleme ist ihnen noch immer viel zu lang.
An den Börsen wird die Zukunft gehandelt. Aber derzeit will diese Zukunft keiner haben. Vor allem in den USA wenden sich die Investoren vom Aktienmarkt nur noch mit Grausen ab.
Man kann das positiv interpretieren, als eine Chance zum Einstieg, denn die Wirkung der Konjunkturpakete, die ab der zweiten Jahreshälfte die Weltrezession beenden sollen, wird offenbar nicht eingepreist. Die Börsen wären in dieser Sicht wieder einmal irrational und erleben gerade den schwarzen Moment der Kapitulation, der einer Wende zum Besseren vorangeht.
Man kann es aber auch zum Nennwert nehmen. Der ist bitter: Die Investoren haben die Botschaft vom Stimulus zwar gehört - aber sie glauben nicht daran. Die Liste der Risikofaktoren und Probleme ist ihnen noch immer viel zu lang.
Klar ist, dass sich Finanz- und Realwirtschaft weiter gegenseitig nach unten ziehen. Fallende Aktienkurse belasten die Bilanzen, erschweren die Finanzierung der Unternehmen und ruinieren Kaufkraft und -laune der Verbraucher. Wenn dann weitere Kredite platzen und jetzt sogar eine Ikone wie General Electric  erstmals seit 80 Jahren die Dividende kürzt, löst das weitere Kursstürze aus.
Vor allem bei den schwer angeschlagenen Finanztiteln wie AIG  oder Citigroup  gibt es kaum noch Aufwärtspotenzial. Die aufgelaufenen Verluste sind so gewaltig und die Staatshilfen so umfassend, dass es selbst im rosigsten Szenario viele Jahre dauern wird, bis alle Ansprüche des Fiskus bedient sind und wieder ein ordentlicher Überschuss für die privaten Eigentümer herausspringen kann. Auf der anderen Seite droht Aktionären der Totalverlust, falls die Regierung sich doch noch entscheidet, die faktische Insolvenz der Institute zu erklären, und sie ganz verstaatlicht.
Einer der einflussreichsten US-Fondsmanager, Bill Gross, ruft deshalb jetzt sogar das Ende des Aktienkapitalismus aus. Der Anleihenpapst Gross mag seine eigene Agenda haben. Aber auch der Aktienpapst Warren Buffett sieht derzeit keinen Silberstreif. Investoren, die ohnehin schon extrem risikoscheu geworden sind, werden durch solche prominenten Stimmen weiter verunsichert.
Die Tatkraft der Politik hat dagegen bislang wenig bewirkt. Ungeachtet aller Stimulusdebatten fielen die Aktien an der Wall Street immer weiter. Das ist ein klares Misstrauensvotum des Marktes. Wer dem nicht glaubt, sollte jetzt einsteigen.
  • Aus der FTD vom 03.03.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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