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Merken   Drucken   13.03.2008, 20:16 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: AOL - Frischzellenkur  

Es war still geworden um AOL, verglichen mit anderen großen Namen des Internetgeschäfts wie Google, Yahoo oder Microsoft. AOL. Einst einer der gefeierten Türöffner ins World Wide Web, ist der Pionier seit Längerem mit der Suche um die richtige Strategie beschäftigt.
Erhöhte Aufmerksamkeit wurde dem Teilunternehmen des US-Medienkonzerns Time Warner  kürzlich zuteil, weil AOL  als Übernahmekandidat für Yahoo  galt. Mit dem Kauf der britischen Onlinekontaktbörse Bebo meldet sich AOL überraschend zurück. Junge Unternehmen wie Bebo und dessen größere Konkurrenten Myspace oder Facebook gelten als große Hoffnung der Internetbranche. Im Web 2.0 tummeln sich Millionen junger Menschen, präsentieren der virtuellen Öffentlichkeit ihre Persönlichkeitsprofile, tauschen Adressen, Musik und Videos aus - und beflügeln bei der Wirtschaft Hoffnungen auf glänzende Werbeeinnahmen.
Bebo und dessen direkte Konkurrenten sind heute so modern, wie es AOL und die anderen Internetveteranen vor zehn Jahren waren - vor einer Ewigkeit, gemessen am Zeitraffertempo des weltweiten Datennetzes. Mit Bebo verschafft sich AOL eine Frischzellenkur, und das vergleichsweise günstig: Rund 850 Mio. $ kostet das noch nicht einmal drei Jahre alte Unternehmen den US-Medienkonzern. Zum Vergleich: Microsoft  zahlte im vergangenen Oktober für 1,6 Prozent an Facebook rund 240 Mio. $.
Die Internetbranche erlebt derzeit eine weitreichende Neuordnung und Neuausrichtung. Einerseits wird das Geschäft weiter konzentriert, wie der Versuch von Microsoft zeigt, Yahoo zu übernehmen. Zugleich kommen die Schwergewichte der Branche im Konkurrenzkampf um junge Menschen an Adressen wie Bebo oder Facebook nicht mehr vorbei. Das hat auch AOL erkannt und im richtigen Moment zugegriffen.
  • Aus der FTD vom 14.03.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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