Endlich darf sich
Frank Appel einmal freuen: Die
Postbank ist verkauft, und das auch noch zu einem guten Preis. Diesen Erfolg hatte der neue Post-Chef dringend nötig, jetzt aber zu feiern wäre gefährlich. Der Verkauf des Anteils der Post an ihrer Banktochter verschafft Appel höchstens zeitweise Luft. An zu vielen Ecken im Reich des gelben Riesen gibt es noch Baustellen.
Schuld daran ist nicht Appel allein, er hat eine Reihe von Problemen von seinem Vorgänger Klaus Zumwinkel geerbt. Der von Zumwinkel ungeschickt eingeleitete Verkauf der Postbank gehörte dazu. Und das desaströse US-Geschäft kostete den Bonner Konzern Milliarden. Das alles drückte auf den Kurs der Post-Aktie. Als Appel am 18. Februar antrat, lag sie noch bei knapp 23 Euro. Am Dienstag, bevor der Verkauf bekannt wurden, war sie nicht einmal 16 Euro wert.
Appel ist an dem Kursverfall aber auch nicht unschuldig. Ihm geriet der Sanierungszeitplan für das US-Geschäft aus den Fugen, weil er sich noch viel stärker als bislang bekannt aus Nordamerika zurückziehen will. Und bei der Auslagerung der IT an Hewlett-Packard musste er einen peinlichen Rückzieher machen. Die Sparte bleibt nun doch im Konzern.
Auch beim Verkauf der Postbank bewies der neue Chef zunächst wenig Geschick. Bis vor wenigen Tagen hieß es sogar, das Finanzinstitut solle vorerst gar nicht verkauft werden.
Überzeugend war diese Ansage nicht. Appel will die Post zu einem reinen Logistikkonzern umbauen. Das Bankgeschäft passt dazu nicht. Zudem musste der Post-Chef fürchten, dass der Wert seiner 50-Prozent-Beteiligung an der Postbank sinken würde, wenn er dort nicht investiert. Die dafür nötigen Mittel braucht er aber an anderer Stelle.
Was Appel in die Hand spielte, war der Druck, unter dem die Deutsche Bank stand. Nicht nur die Frankfurter hatten Interesse an der Postbank. Bis zuletzt hatte auch der spanische Konkurrent Santander mitverhandelt. Die Deutsche Bank geriet damit unter Zugzwang, wusste sie doch, dass Appel so oder so verkaufen wollte. Ein Verkauf an Santander hätte bedeutet, dass sich ein potenter Rivale der Deutschen Bank auf einen Schlag hierzulande etabliert hätte.
Mit dem Verkaufspreis zwischen 54 und 55 Euro pro Aktie steht Appel deshalb nun doch recht ordentlich da. Konzerninsider hatten schon früher gesagt, dass der zunächst avisierte Preis von 60 bis 65 Euro hoch spekulativ gewesen sei.
So gesehen ist der Verkaufspreis eine Punktlandung. Damit dürfte auch der Druck jener Hedge-Fonds nachlassen, die sich von ihrem Investment bei der Post eine satte Sonderausschüttung nach dem Verkauf der Banktochter versprochen hatten. Appel hat versichert, dass er das Geld nicht zur Sanierung des kriselnden US-Geschäfts braucht.