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Merken   Drucken   10.06.2009, 20:26 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Arbeitsagentur - Mut zur Lücke  

Ohne Controlling lässt sich eine Megabehörde wie die Bundesagentur für Arbeit nicht wie ein moderner Dienstleister führen. Doch gerade in der Krise sollte BA-Chef Weise auf einige Statistiken verzichten, damit sich seine Vermittler auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können: die Betreuung von Arbeitslosen.
Wer aus einer trägen Megabehörde einen modernen Dienstleister machen will, kommt um Controlling und Qualitätsmanagement nicht herum. Dass auch Frank-Jürgen Weise, der Chef der Bundesagentur für Arbeit (BA), sehr stark auf Methoden aus der Unternehmensführung setzt, ist daher nur gerechtfertigt. Der ehemalige IT-Unternehmer hatte den politischen Auftrag, die frühere Bundesanstalt umzukrempeln und auf Effizienz zu trimmen. Dann müssen Weise auch Instrumente zur Verfügung stehen, um zu kontrollieren, wie es um die Effizienz in seinem Hause steht. Dennoch wäre es zu einfach, den Brandbrief der BA-Mitarbeitervertreter, in dem sie Weises vermeintliche Kontrollwut angreifen, darauf zurückzuführen, dass hier verwöhnte Beamte gegen die neue Leistungskultur in ihrer Behörde meutern. So überzogen die Schärfe der Kritik am "Zahlenfetischismus" der BA-Führung auch ist - inhaltlich haben die Personalvertreter in einem Punkt recht: Es darf nicht sein, dass die Mitarbeiter in den Jobcentern mehr Zeit für das Führen von Statistiken aufbringen müssen als für die Betreuung von Arbeitslosen. Gerade im Abschwung ist es für die Arbeitsagenturen sehr viel wichtiger, sich um ihre Kunden zu kümmern als um sich selbst. Infolge der schweren Rezession wird die Zahl der Jobsuchenden in den kommenden Monaten um viele Hunderttausend ansteigen. Und die Verwaltung der Kurzarbeit bindet schon jetzt erhebliche Kapazitäten. Um das alles zu bewältigen, reicht es nicht, wenn die Bundesregierung der BA ein paar Tausend neue Mitarbeiter spendiert. Für Weise bedeutet das: Er muss seine Mitarbeiter jetzt schnell in die Lage versetzen, sich so stark wie irgend möglich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren. Bei aller berechtigten Sorge, dass bei weniger Steuerung durch die Zentrale die alte Behördenmentalität wieder die Oberhand gewinnt - einen Rückfall in alte Zeiten wird es nicht schon dann geben, wenn Weise darauf verzichtet, auch noch die letzte Kennziffer erheben zu lassen.
  • Aus der FTD vom 11.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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