Seit
Arcandor Anfang Juni Insolvenz angemeldet hat, ist das Ziel des Handels- und Touristikkonzerns klar: Ein Sommerschlussverkauf von einzelnen Unternehmensteilen soll vermieden und Arcandor mit seinen mehr als 50.000 Arbeitsplätzen als Ganzes erhalten werden.
Doch inzwischen wird immer deutlicher, wie naiv die Hoffnung jener war, die den Insolvenzantrag nicht als Beleg des Scheiterns werteten, sondern als zweite Chance priesen. Das gilt zum einen für Horst Piepenburg. Noch bei seinem Antritt als Generalbevollmächtigter hatte der Insolvenzexperte getönt, er übernehme nur Aufgaben, die er erfüllen kann. Jetzt gibt Piepenburg auf, weil es selbst für einen der profiliertesten Sanierer eine unmögliche Mission ist, den maroden Konzern zu sanieren und in seiner jetzigen Form zu erhalten.
Zum anderen ist aber auch der Optimismus der Politik widerlegt. Als Arcandor den Insolvenzantrag einreichte, verkauften Vertreter von Union und SPD diesen Schritt einmütig als Chance für einen Neuanfang, der das Unternehmen wieder fit und die Jobs sicherer machen könne. Politisch mag das nachvollziehbar gewesen sein, weil die Bundesregierung Arcandor Hilfe verweigerte, obwohl sie Opel kurz zuvor noch gerettet hatte. Mit der ökonomischen Realität hatte die zuversichtliche Sichtweise vieler Politiker aber schon damals wenig zu tun: Wenn ein Konzern dieser Größe und mit einem in vielen Bereichen überholten Geschäftsmodell in die Insolvenz gehen muss, können minimale Korrekturen nicht ausreichen.
Hinzu kommt, dass Piepenburg und Insolvenzverwalter Klaus Hubert Görg in den vergangenen Wochen die falschen Schwerpunkte gesetzt haben. Statt mit oberster Priorität ein tragfähiges Sanierungskonzept auszuarbeiten, haben sie ihre Kräfte vor allem mit dem Gewürge um einen staatlichen Massekredit für die Konzerntochter Quelle verschwendet - ohne dass das Überleben des Versandhändlers damit langfristig gesichert wäre. Angesichts berechtigter Zweifel an Quelles Zukunftsfähigkeit wäre es richtig gewesen, sich an dieser Front nicht weiter zu verkämpfen.
Dass bei der Vorbereitung des ursprünglich angestrebten Planinsolvenzverfahrens in Eigenregie einiges schiefgelaufen ist, legen auch die Aussagen von Madeleine Schickedanz nahe. Die Arcandor-Großaktionärin berichtet, sie habe keinen Kontakt zu Insolvenzverwalter Görg und kenne auch Unternehmenschef
Karl-Gerhard Eick nicht - dabei besitzt sie mehr als 26 Prozent am Konzern. Bei einem solchen Verhältnis zwischen der Arcandor-Führung und den Eigentümern darf sich niemand wundern, wenn der andere Großaktionär Sal. Oppenheim derzeit kein Geld für die Sanierung aufbringen will.
Sicherlich ist es theoretisch möglich, dass Arcandor bis Mitte August noch einen Investor auftreibt. Wahrscheinlicher ist mittlerweile aber, dass es doch zum Schlussverkauf kommt. Für mehrere Konzernteile stehen die Interessenten bereits vor der Tür.