Dass ihr Arbeitgeber vom Untergang bedroht sei, verkündete in ähnlicher Weise schon Eicks Vorgänger Thomas Middelhoff, als dieser 2005 in Essen antrat, um die damals noch als KarstadtQuelle firmierende Kaufhauskette radikal zu sanieren.
Man kann nur hoffen, dass man sich nicht nur in Essen an Middelhoffs Worte erinnert. Sondern auch in Berlin, falls Eick demnächst im Wirtschaftsministerium vorsprechen und um Staatshilfen bitten sollte, so wie er es derzeit prüft. Für die Regierung sollte es genügen, Arcandors wirtschaftliche Entwicklung der vergangenen Jahre zu betrachten, um den Konzernchef rasch wieder nach Hause zu schicken - zumindest, wenn sie ihre eigene Begründung für den sogenannten Wirtschaftsfonds Deutschland ernst nimmt.
Immer wieder hat die Große Koalition betont, nur solche Unternehmen zu unterstützen, die im Kern gesund und nur wegen der Finanzkrise in Liquiditätsnot geraten sind. Arcandor aber ist im Kern faul: Das Kaufhausgeschäft ist defizitär, weil das Geschäftsmodell nicht mehr zu den Einkaufsgewohnheiten der Kunden passt. Geld verdient der Konzern nur noch mit seiner Touristiksparte.
Das Problem ist, dass Eick trotzdem mit gewissen Erfolgsaussichten auf Steuergeld spekulieren kann. Auch wenn die Regierung beteuert, nur die Guten kämen ans Töpfchen - Tatsache ist, dass die formalen Kriterien für Staatshilfe so weit gefasst sind, dass sich fast jedes große Unternehmen in Existenznot für Hilfen aus dem Fonds qualifiziert. Es genügt, dass eine von vier Bedingungen erfüllt ist: Dass eine Pleite viele andere Unternehmen in den Abgrund zu reißen droht. Dass der Wackelkandidat besonders innovativ oder bedeutend für eine Region ist. Oder dass "unerträglich" viele Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Der letzte Punkt träfe womöglich auf Arcandor zu, auch weil eine genaue Grenze nirgendwo definiert ist.
Der Fall Arcandor illustriert das Grundproblem des Fonds: Die Politik kann keine ökonomisch saubere Entscheidung darüber fällen, ob einzelne Unternehmen rettungswürdig sind. Es ist auch nicht ihre Aufgabe. Sollte ein Konzern wie Arcandor Gehör finden, wäre das der Beleg dafür, dass auch das Konzept des Deutschlandfonds im Kern faul ist.