Der Bund als Eigentümer der Deutschen Bahn dagegen scheint derzeit alles zu tun, um den Erlös aus dem im Herbst anstehenden Teilbörsengang des Staatskonzerns zu drücken. Das macht er zwar nicht vorsätzlich, mit seiner dilettantischen Vorbereitung der Teilprivatisierung handelt der Bund jedoch fahrlässig.
Die Verantwortung für das Vorgehen trägt der Aufsichtsrat und damit die Politik. Erst setzte er Bahn-Chef Hartmut Mehdorn einen Gewerkschaftsboss als Arbeitsdirektor in den Vorstand, um die SPD zufriedenzustellen. Jetzt will der Aufsichtsrat, dass Mehdorn im Frühjahr seinen Vorstandsposten bei der dann börsennotierten Transport- und Logistiktochter DB ML aufgibt - lässt aber die Investoren bislang im Unklaren, wer das Unternehmen dann führen soll.
Niemand in der Regierung darf sich darüber wundern, dass institutionelle Anleger angesichts dieser offenkundigen politischen Risiken das Interesse an der Bahn-Aktie verlieren oder satte Abschläge verlangen. Kaum ein Investor ist bereit, viel Geld in ein Unternehmen zu stecken, das weiterhin fest im Griff der Politik ist - wenn er es doch tut, fordert er einen Risikoabschlag.
Je näher die Erstnotiz der Bahn-Aktie rückt, desto stärker rächt sich, dass die Frage des Emissionserlöses zu keinem Zeitpunkt der politischen Debatte eine zentrale Rolle gespielt hat. Wie die Regierung unter diesen Umständen weiter davon ausgehen kann, mit dem Börsengang bis zu 8 Mrd. Euro einzuspielen, bleibt ihr Geheimnis. Schon jetzt ist klar, dass dem Bund durch seine Personalspielchen mehrere Hundert Millionen Euro durch die Lappen gehen dürften. Den Schaden haben die eigentlichen Bahn-Eigentümer - die Steuerzahler.