Das Szenario erscheint nur dem abwegig, der nicht mitbekommen hat, dass aus der einstigen Bundesbahn längst ein Global Player geworden ist. Der Bahn-Vorstand prüft den Betrieb von Personen- und Güterzügen in Saudi-Arabien und will dort auch einen neuen Frachtterminal bewirtschaften. Noch sind viele Fragen zu Finanzierung und möglichen Partnerunternehmen offen. Dennoch ist schon klar, dass die Bahn auf dem richtigen Weg ist, wenn sie einen Internationalisierungskurs weit über die Grenzen des eigenen Kontinents hinaus verfolgt.
In den boomenden Golfstaaten lassen sich gute Geschäfte machen und lässt sich zudem beweisen, dass die Bahn nicht nur im vertrauten Europa große Infrastrukturprojekte bewältigt. Klappt der Deal in Saudi-Arabien, öffnet dies weitere Märkte im Personenverkehr.
Vor allem aber liefert Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit so einem Geschäft die Wachstumsstory, die Investoren vor dem geplanten Börsengang des Unternehmens brauchen. Die Bahn muss in der Tat das Manko ausgleichen, dass sie auf dem Heimatmarkt nicht mehr deutlich zulegen kann. Durch die härter werdende Konkurrenz auf dem deutschen Schienennetz muss sie sogar damit rechnen, hier zweistellig Marktanteile zu verlieren.
Es ist gut, wenn die Bahn jetzt ein Projekt hat, das in seiner Qualität über die bisherigen Zukäufe und Kooperationen im internationalen Frachtgeschäft hinausgeht. Ein Problem hat sie, wenn sich die orientalische Wachsstumsstory am Ende wie eine Fata Morgana im Wüstensand auflöst.