An diesem Ziel hält Mehdorn kompromisslos, ja verbissen fest, und um Haltungsnoten schert er sich dabei schon gar nicht. Wenn die Kosten wie jetzt wegen hoher Lohnabschlüsse aus dem Plankorridor laufen, dann wird es für den Manager Mehdorn eben notwendig, verschärft zu rationalisieren oder die Preise zu erhöhen - und das sagt er auch laut. Für eine politische Logik, die diese Kosten gern im ungefähren Irgendwo verschwinden lässt, steht er nicht zur Verfügung.
Das können die Politiker, die für den Bahn-Eigentümer Bund sprechen, mit guten Gründen für unsensibel und inakzeptabel halten. Mehdorns harsche Auftritte, die gelegentlich wirken, als seien sie auf Konfrontation geradezu angelegt, belasten nicht nur das Betriebsklima bei der Bahn. Sie passen auch nicht zu einer Großwetterlage, in der alle Parteien darum wetteifern, den Wählern nach vielen harten Einschnitten wieder finanzielle Wünsche zu erfüllen. Wer die Rechnung letztlich zahlt, ist da eher Nebensache, denn die Kasse ist ja voll.
Der Börsengang der Bahn ist ohnehin längst kein Herzensanliegen der Politik mehr. Im Gegenteil: Große Teile der Koalition würden ihn am liebsten stoppen.
Nur:
Hartmut Mehdorn macht weiter seinen alten Job. Wenn die Regierung das nicht will, muss sie die Konsequenzen ziehen - und einen anderen Bahn-Chef suchen. Das aktuelle Theaterspiel, in dem der Sanierer Mehdorn unter Anleitung des Verkehrsministers den sozialen Frieden retten soll, ist auf Dauer keinem der Beteiligten zuzumuten.