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  FTD-Serie: Analyse des Desasters

Was gestern vor einer Woche noch unvorstellbar war, ist heute Wirklichkeit: Investmentbanken implodieren, die US-Regierung verstaatlicht mit Hilfe der Fed den größten US-Versicherer und der deutsche Einlagensicherungsfonds scheint auch nicht mehr so sicher wie geglaubt. FTD.de analysiert und kommentiert die unglaublichen Vorgänge.

Merken   Drucken   15.09.2008, 16:02 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Bankencrash - Sprung ins Dunkle

Es ist eine historische Zäsur für die Giganten der Wall Street und ein großer Sprung ins Dunkle für die Finanzmärkte. Seit Sonntag ist klar, dass es auch für die ganz großen US-Geldhäuser keine Überlebensgarantie vom Staat mehr gibt.
Lehman Brothers , eine der größten und traditionsreichsten Investmentbanken der Welt, muss Konkurs anmelden, nachdem sich kein privater Investor fand, der das angeschlagene Institut übernehmen wollte, und nachdem sich auch die Regierung weigerte, rettend einzuspringen. Merrill Lynch , eine weitere Wall-Street-Größe, musste bei der Bank of America unterschlüpfen, weil die Kräfte für ein eigenständiges Überleben offenbar nicht mehr reichten.
Der Kollaps von Lehman und der Notverkauf von Merrill lassen einmal mehr erkennen, wie extrem angespannt die Lage der Finanzbranche ist - allen Schönrednern zum Trotz, die schon seit Monaten immer wieder das Ende der Krise ausrufen.
Für den eigentlichen Schock sorgte aber US-Finanzminister Henry Paulson, als er am Sonntag die Rufe nach staatlicher Hilfe mit einem kühlen „Nein“ beantwortete. Denn so finster es an den Märkten und in den Bilanzen auch aussah - bis Sonntag galt in der Finanzwelt immer noch die Devise, dass die Regierung im Notfall schon ihre Kasse öffnen würde.
So war es bei der Rettungsaktion für die Investmentbank Bear Stearns , deren Notverkauf an JP Morgan  mit staatlicher Hilfe ermöglicht wurde. So war es kürzlich bei der De-facto-Verstaatlichung der beiden Hypothekenriesen Fannie Mae  und Freddie Mac . So sollte es auch -das war die allgemeine Erwartung vor dem Wochenende - im Fall Lehman Brothers sein.
Doch Regierung und Notenbank haben das Auffangnetz erst einmal weggezogen, und es liegt nun an den Märkten, den Kollaps einer Bank dieser Größe zu verarbeiten. Ob das gelingt, ohne dass eine neue gefährliche Kettenreaktion von Verlusten und Pleiten ausgelöst wird, ist völlig offen. Möglicherweise wird der Staat zu einem späteren Zeitpunkt doch wieder einspringen müssen.
Klar ist allerdings schon jetzt, dass die Ära, in der die stolzen Investmentbanken die Wall Street regierten und Jahr für Jahr Milliarden an Boni ausschütteten, definitiv vorbei ist.
  • FTD.de, 15.09.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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