Gerade hatte er die Suche nach einer Partnerfirma für das angeschlagene Geschäft erfolglos abgebrochen. Die Pharmasparte Bayers ist seit dem Marktrückzug des Cholesterinsenkers Lipobay vor über drei Jahren in der Krise.
Wenning bewies mit seiner Einschätzung, dass er ehrlich ist. Andere Manager hätten mit Floskeln herumgedruckst, hätten von der Tugend der Fokussierung geschwafelt, von Verschlankung oder Nischenstrategien. Stattdessen wählte der Bayer-Chef die klare Sprache. Das war löblich. Jetzt aber kommen die konkreten Schritte der neuen Strategie ans Licht: Bayer stellt die Forschung für neue Wirkstoffe in zwei seiner vier Therapiefelder ein. Dem fällt außer der Urologie das Geschäft mit Infektionsmitteln wie Antibiotika zum Opfer. Gerade dort haben Bayer-Forscher aber traditionell besondere Expertise. Übrig bleiben mit den Feldern Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Krebs nur noch zwei Forschungsgebiete. In letzterem wurde nicht ein einziges Produkt auf den Markt gebracht.
Wenning fährt damit einen riskanten Kurs. Er senkt zwar Kosten und pusht damit die tatsächlich sehr niedrige Pharmarendite. Aber er spart an Forschung und Forschern - und damit an der Zukunft. Bei nur noch zwei Forschungsgebieten reicht ein geringer Rückschlag in der Forschung, um die Sparte in ihrer Existenz zu gefährden.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Günther Oettinger: Im Südwesten nichts Neues" und "Barguti: Eine Art Arafat" in der FTD-Ausgabe vom 03.12.2004.