Die Vorstellung, von Finanzkrisen seien lediglich Banken betroffen, ist spätestens seit dem in letzter Minute abgewendeten Zusammenbruch des US-Konzerns AIG widerlegt. Auch in Europa gibt es genügend Beispiele dafür, wie anfällig Versicherer in der Krise sind. So kämpft in Deutschland gerade die Bayerische Beamtenversicherung ums Überleben. Und die mittlerweile teilverstaatlichte und zerschlagene Fortis-Gruppe in Belgien und den Niederlanden war eben nicht nur eine Bank, sondern vor allem eines der größten Versicherungsunternehmen des Kontinents.
Dennoch standen bisher nur Banken im Zentrum, wenn es um neue Finanzmarktregeln ging. Als einer der ersten Schritte einigten sich die EU-Staaten im Herbst 2008 auf bessere Einlagensicherungssysteme, um das Vertrauen der Kunden in die Banken aufrechtzuerhalten. Ersparnisse in Form von Lebensversicherungen sind aber ebenso schutzbedürftig wie Geld auf dem Konto. Es ist daher richtig, dass die EU-Kommission nun auch für die Gelder der Versicherten in allen Mitgliedsstaaten ein einheitliches Auffangsystem einführen will.
Die Brüssler Behörde verfolgt diesen Plan schon länger, vor der Krise erschien er aber kaum durchsetzbar. Noch effektiver wäre solch ein europäisches System, wenn die Versicherer auch grenzüberschreitend füreinander einspringen müssen, wie die Kommission es sich vorstellt. So würden die Chancen steigen, dass sich der Staat im Falle einer Schieflage so lange wie möglich aus dem Spiel halten kann.
Eine Illusion wäre es aber zu glauben, dass es in Zukunft auch dann ganz privat geht, wenn ein großer Versicherer wankt. Wie bei den Banken, so bleibt auch hier der Staat die letzte Rettungsinstanz. Ein branchenweites europäisches Sicherungssystem kann im besten Fall Krisen einzelner, auch mittlerer Unternehmen abfedern und verkraften. Sobald aber das ganze System auf der Kippe steht und große Versicherer Hilfe brauchen, wird es genauso überfordert sein wie die Einlagensicherung der Banken.