Noch ist der Deal nicht perfekt. Noch müssen juristische Fragen geklärt und vielleicht letzte Zweifler überzeugt werden. Doch wenn der Plan zur Verschmelzung von
Volkswagen und
Porsche umgesetzt wird, ist einer wieder einmal am Ziel: Ferdinand Piëch hat nicht nur den Machtkampf mit Porsche-Chef
Wendelin Wiedeking gewonnen, er hat dabei auch das beste Geschäft gemacht. Denn die Familienclans der Piëchs und Porsches wären die ganz großen Gewinner.
Wie sehr die Familien profitieren, zeigt ein einfacher Vergleich: Derzeit besitzen sie rund 50 Prozent der Porsche Automobil Holding SE, einer Konzernhülle, die wiederum 100 Prozent am Sportwagenbauer Porsche, also der Porsche AG, hält. Weil sich die Porsche SE in den vergangenen Jahren zudem knapp 51 Prozent der VW-Anteile plus weiterer Optionen zusammengekauft hat, sitzt sie auf geschätzten 10 Mrd. Euro Nettoschulden.
Werden die Verschmelzungspläne umgesetzt, verkauft die Porsche SE die Porsche AG in zwei Schritten komplett an VW. Damit ist die familieneigene Holding ihre Schulden los. Gleichzeitig verfügt sie langfristig über 51 Prozent an Europas größtem Autobauer und bleibt indirekt auch weiter an der Porsche AG beteiligt.
Mit anderen Worten: Die Familien behalten ihren Einfluss und verlieren ihre Schulden. Für die kommen wiederum alle VW-Aktionäre gemeinsam auf - also zum Beispiel auch die Kleinanleger, die niemand gefragt hat, ob sie das überhaupt wollen.
Ermöglicht hat diesen Vermögenstausch zugunsten des Großkapitals unter anderem der niedersächsische Ministerpräsident und VW-Aufsichtsrat
Christian Wulff , der in den vergangenen Wochen alles darangesetzt hat, Piëch in seiner Schlacht gegen Wiedeking zu unterstützen. Skurrilerweise hat er damit einen Teil von Wiedekings ursprünglichem Plan erfüllt: Der Porsche-Chef wollte die Übernahme von VW finanzieren, indem er auf die gut gefüllten Kassen in Wolfsburg zugreift. Dagegen hatte sich Wulff im Interesse des VW-Großaktionärs Niedersachsen stets gewehrt. Dass er nun genau das ermöglicht hat, zeigt, wie sehr sich Wulff zu Piëchs Handlanger hat degradieren lassen.
Verlierer der Clanwirtschaft sind vor allem die freien VW-Aktionäre: Sie zahlen Milliarden für einen ausgeklügelten Deal, dessen Nutzen für den Konzern fraglich ist. Zwar ist bekannt, dass es Investoren bei VW als durch und durch politisiertem Konzern nicht immer einfach haben. Ein Mindestmaß an Transparenz steht aber auch den Anteilseignern eines solchen Unternehmens zu.
Auch den freien Aktionären der Porsche SE bringt der Deal vor allem Ungewissheit. Ihnen gehört das Unternehmen, auf das sie gesetzt haben, künftig nur noch indirekt. Zudem wissen sie nicht, was die Familien mit der Unternehmenshülle Porsche SE vorhaben. Denn eines ist klar: Die Porsches und Piëchs haben auch künftig die Fäden in der Hand - und zwar bei beiden: Porsche und Volkswagen.