FTD.de » Meinung » Kommentare » Biosprit - Ende einer Traumfahrt

Merken   Drucken   06.07.2008, 18:44 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Biosprit - Ende einer Traumfahrt  

Es ist eine Kapitulation, die sich auch mit den Haarspaltereien des französischen Umweltministers nicht wegreden lässt: Die EU gibt das Ziel auf, bis 2020 ein Zehntel des Energiebedarfs im Straßenverkehr mit Biosprit zu decken.
Ihr bleibt schlicht keine andere Wahl. Jean-Louis Borloo hat zwar formal recht, wenn er darauf verweist, dass man erneuerbare Energien ja auch nutzen könne, um Elektroautos anzutreiben. Europas Ausbaupläne für Strom aus Wind, Wasser und Sonne sind aber schon jetzt höchst ehrgeizig. Sollten sich Elektroantriebe in großem Stil durchsetzen, dann wird der zusätzliche Strombedarf zumindest in Frankreich wohl eher durch Kernenergie gedeckt.
In den vergangenen Monaten ist offenkundig geworden, dass Biosprit keineswegs jene "magische Waffe" ist, die sich einige Klimapolitiker zunächst vorgestellt hatten. Dass die Nahrungsmittelpreise weltweit dramatisch steigen, liegt zwar nicht nur daran, dass Anbauflächen für die Biospritproduktion umgewidmet wurden. Der Einfluss dieses Faktors ist aber groß genug, um zu einem gravierenden politischen und moralischen Problem zu werden.
Viele Wähler sind sauer wegen der teuren Lebensmittel. Sie sind aber auch tief beschämt angesichts der Vorstellung, dass das tägliche Brot der Ärmsten indirekt im Tank ihres Autos landen soll. Technologien, die es einmal erlauben sollen, aus Abfällen und anders nicht verwertbarer Biomasse Sprit zu erzeugen, sind bisher noch nicht in ausreichendem Maß verfügbar.
Die Kapitulation beim Biosprit zeigt beispielhaft, auf welche Probleme die Klimapolitik insgesamt zusteuert: Allmählich wird der hohe Preis sichtbar, der für einige der unter großem Beifall beschlossenen Ziele zu entrichten ist. Ob und wie die Bürger diesen Preis zahlen wollen, muss sich erst noch zeigen.
  • Aus der FTD vom 07.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
Jetzt bewerten
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  10.02. Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle
Politik: Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle (00:00:56)

Bei dem Treffen im Auswärtigen Amt ging es um die Situation der Flüchtlinge. mehr

Mehr zu: Angelina Jolie, Bosnien, Niebel

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote