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Merken   Drucken   01.06.2009, 19:23 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Börsen - Rückkehr des Appetits  

Einmal Weltuntergang und zurück - das ist die Geschichte, die die Finanzmärkte seit vergangenem September, seit dem Moment der großen Lehman-Pleite, bewegt hat.
Die beachtliche Rally, die Aktien und Rohstoffe derzeit hinlegen, hat insofern mit der Rückkehr von Euphorie noch nicht viel zu tun. Sie spiegelt vor allem eine gewisse Erleichterung.
Ein Kollaps des Weltfinanzsystems und des Welthandels, der in einigen besonders schwarzen Momenten möglich schien, ist inzwischen kein Thema mehr. Investoren, die sich zum Teil panisch in Cash geflüchtet hatten, kehren nun langsam wieder in riskantere Anlagen zurück, auch wenn die Konjunkturaussichten trübe bleiben.
Schon allein diese Umschichtung in den Portfolios kann einen großen Teil der jüngsten Erholung an den Aktienmärkten erklären. Dass der Dax am Pfingstmontag ein neues Jahreshoch erreicht hat und dabei fast alle 30 Titel im Plus lagen, war kein zufälliger Ausreißer an einem Feiertag mit dünnem Handel, sondern durchaus bezeichnend. Die Anleger setzen nicht mehr nur auf einzelne Unternehmensstorys, sondern decken sich nach einer Phase extremer Vorsicht wieder breit mit Aktien ein. Auch bei anderen Indizes ist das zu beobachten.
Der neue Risikoappetit verleiht der Erholung auch eine gewisse Stabilität. Zusätzliches Futter suchen sich die Optimisten derzeit in Asien: Die - vergleichsweise - guten Nachrichten aus China treiben die Rohstoffpreise wieder rasant in die Höhe. Erstmals sind es nun chinesische Indikatoren, die an den Börsen den Takt vorgeben. Mancher träumt schon von einem neuen Wachstumsmotor für die Weltwirtschaft. Passend dazu wird der US-Dollar gerade auf Talfahrt geschickt.
Die Volkswirtschaften der Region sind allerdings weiterhin extrem abhängig von Exporten, vor allem in die USA. Chinas Wirtschaft ist noch immer viel zu klein, um Amerika als Konjunkturlokomotive abzulösen.
Eine Aufschwungwette an den Aktien- und Rohstoffmärkten bleibt deshalb nach wie vor äußerst spekulativ.
  • Aus der FTD vom 02.06.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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