Umso gefährlicher ist der Imageverlust, den die jüngsten Rückrufaktionen des Zulieferers Robert Bosch für die Branche bedeuten könnten. Nachdem
Mercedes-Benz und
BMW die Produktion wegen fehlerhafter Dieseleinspritzpumpen zeitweise stoppen mussten, ruft auch
General Motors 155.000 Autos zurück. Der von Bosch gelieferte Bremskraftverstärker habe Mängel.
Bosch selbst hat den unmittelbaren Schaden durch professionelles Krisenmanagement begrenzt. Doch generell stehen die deutschen Autobauer und ihre Zulieferer vor einem Dilemma: Sie brauchen den "Vorsprung durch Technik", um ihre im Vergleich zur Konkurrenz hohen Absatzpreise zu rechtfertigen. Gleichzeitig leiden aber Innovationen oft unter Kinderkrankheiten, ausgefeilte Technik geht mit höherer Fehleranfälligkeit Hand in Hand. Die Japaner gehen den umgekehrten Weg: Sie lassen die anderen vorfahren und übernehmen Neuerungen erst, wenn diese sich bewährt haben. Die Pannenhäufigkeit japanischer Modelle ist so geringer.
Einen einfachen Ausweg gibt es für die Deutschen nicht, ihnen bleibt nur der schwierige Versuch, möglichst viel Technik mit möglichst hoher Zuverlässigkeit zu kombinieren. Die Bosch-Geschäftsführung will die jüngsten Pannen zum Ansporn nehmen, das Qualitätsbewusstsein der Mitarbeiter zu verbessern. Allzu oft kann sie sich allerdings ein solches Motivationsprogramm wohl nicht leisten.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Visa-Affäre: Ende eines Versteckspiels" und "Nato: Schröders richtige Diagnose" in der FTD-Ausgabe vom 14.02.2005.