FTD.de » Meinung » Kommentare » Leitartikel: Buhruf aus Amsterdam

Merken   Drucken   01.06.2005, 22:07 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Buhruf aus Amsterdam  

Nach dem ersten Streich folgt der zweite dann sogleich. All das Hoffen, all das Sehnen der Regierungen in Amsterdam, Paris, Brüssel und anderen EU-Hauptstädten war vergebens.
Frei nach Wilhelm Busch hängt ihr Traum nun im Apfelbaum: Mit noch deutlicherer Mehrheit als die Franzosen haben die Niederländer gegen den EU-Verfassungsvertrag gestimmt, so die Nachwahl-Prognose.
Die institutionelle Krise, in die das Nein der Franzosen die Union gerissen hat, wird dadurch noch größer. Es war ohnehin kaum vorstellbar, sich über das Votum des EU-Schwergewichts Frankreich hinwegzusetzen. Mit der Ablehnung durch das zweite Gründungsmitglied der Union ist die Verfassung nur noch ein Haufen Papier, dessen Recycling viel Zeit und Mühe kosten wird - auch wenn das Referendum die Regierung formal nicht bindet. Noch wichtiger für die Zukunft Europas aber ist, dass das Veto der Niederländer in der ersten Volksbefragung ihrer Geschichte an den Grundfesten der Gemeinschaft rüttelt: nämlich der Überzeugung, dass gemeinsam besser ist als allein.
Die Faktoren Globalisierungsangst und Protest gegen die Regierung spielten im Königreich eine geringere Rolle. Hier ging es tatsächlich um Europa. Viele Menschen sorgen sich, dass ihr Land mit der Ausdehnung der EU an Gewicht verliert, zur Provinz degradiert wird. Das Zerplatzen der Multikulti-Illusionen führt dazu, dass die Offenheit nach außen in Frage steht. Wer in Brüssel hätte gedacht, dass ein Populist mit dem Ruf "Die Niederlande müssen unabhängig bleiben" im traditionell europafreundlichen Holland einmal Zustimmung erntet? Europa ist in Not.
  • Aus der FTD vom 02.06.2005
    © 2005 Financial Times Deutschland,
Bookmarken   Drucken   Senden   Leserbrief schreiben   Fehler melden  
  24.06.2009 Pressestimmen "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"  
Pressestimmen: "Beim Thema Afghanistan Tacheles reden"

Der Tod dreier Soldaten im Kundus gibt Anlass zu neuen Diskussionen über den Bundeswehreinsatz in Afghanistan. Verteidigungsmininister Jung will nicht von Krieg sprechen. Die Kommentatoren der deutschen Tageszeitungen fordern klare Stellungnahmen der Politik. mehr

FTD-Debatte

zur FTD-Debatte

 



Die FTD-Personendatenbank
 


  10.02. Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle
Politik: Angelina Jolie trifft Guido Westerwelle (00:00:56)

Bei dem Treffen im Auswärtigen Amt ging es um die Situation der Flüchtlinge. mehr

Mehr zu: Angelina Jolie, Bosnien, Niebel

 
© 1999 - 2012 Financial Times Deutschland
Aktuelle Nachrichten über Wirtschaft, Politik, Finanzen und Börsen

Börsen- und Finanzmarktdaten:
Bereitstellung der Kurs- und Marktinformationen erfolgt durch die Interactive Data Managed Solutions AG. Es wird keine Haftung für die Richtigkeit der Angaben übernommen!

Über FTD.de | Impressum | Datenschutz | Disclaimer | Mediadaten | E-Mail an FTD | Sitemap | Hilfe | Archiv
Mit ICRA gekennzeichnet

VW | Siemens | Apple | Gold | MBA | Business English | IQ-Test | Gehaltsrechner | Festgeld-Vergleich | Erbschaftssteuer
G+J Glossar
Partner-Angebote