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  FTD-Serie: Die Ursprünge der Finanzkrise

Sie begann bei einem kalifornischen Hypothekenanbieter und hat inzwischen Märkte in aller Welt erfasst: Die Subprime-Krise um schlecht besicherte US-Immobilienkredite betrifft längst auch andere Branchen. Unter den Opfern sind zunehmend deutsche Unternehmen.

Merken   Drucken   13.07.2008, 19:08 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Das Grauen an den Finanzmärkten geht weiter  

Für manche Topbanker und Politiker ist das Ende der Finanzkrise in Sicht. Doch das Schlimmste kommt erst noch. Jüngster Beweis ist der drittgrößte Bankencrash in der US-Geschichte.
Jetzt haben auch die Amerikaner ihren Fall Northern Rock: So, wie die britische Hypothekenbank vergangenen Herbst kollabierte, weil die Kunden aus Angst um ihr Geld Milliarden abhoben, erwischte es am Wochenende den kalifornischen Hypothekenfinanzierer Indymac . Und ähnlich wie die erzwungene staatliche Übernahme von Northern Rock  jagt die des größten unabhängigen börsennotierten US-Baufinanzierers gewaltige Schockwellen durch das weltweite Finanzsystem.
Der Unterschied zwischen beiden Schreckensmeldungen ist nur: Der Bank Run bei Northern Rock ereignete sich zu einer Zeit, in der die globale Finanzkrise ihre zerstörerische Macht gerade erst richtig entfaltete. In der Zwischenzeit jedoch haben Spitzenbanker wie JP-Morgan-Chef Jamie Dimon und Josef Ackermann von der Deutsche Bank , aber auch Politiker wie US-Finanzminister Henry Paulson bereits ein baldiges Ende der Krise ausgerufen. Umso beängstigender ist, wenn es trotzdem zum drittgrößen Bankencrash in der amerikanischen Geschichte kommt.
Ungeachtet der optimistischen Aussagen mancher Branchengrößen spricht wenig dafür, dass auf den internationalen Finanzmärkten ein Ende des Schreckens in Sicht ist. Tatsächlich ließen die akuten Panikschübe der Investoren nach, nachdem die US-Notenbank Fed im März mit der Rettung der Investmentbank Bear Stearns signalisiert hatte, dass sie bereitsteht, um eine Systemkrise mit allen Mitteln zu verhindern. Auch verlagerte sich die Aufmerksamkeit - vor allem in Europa - zunehmend auf das Problem der Inflation durch die explodierenden Rohstoffpreise. Fannie Mae und Freddie Mac nahe am Abgrund Insbesondere in den USA ist die Finanzkrise allerdings längst nicht ausgestanden. Dort steht das Schlimmste sogar noch bevor: Die beiden teilstaatlichen Hypothekenfinanzierer Fannie Mae  und Freddie Mac , die für die gigantische Summe von 5000 Mrd. $ an Schuldverschreibungen geradestehen, taumeln scharf am Abgrund entlang - auch wenn die Regierung versucht, das Drama herunterzuspielen.
Sollten Fannie und Freddie abstürzen, muss die US-Regierung zwischen zwei Übeln wählen. Lässt sie die Hypothekenriesen fallen, nimmt sie den Kollaps des amerikanischen Immobilienmarkts in Kauf. Stützt sie die Firmen mit Steuergeld, drohen die ohnehin schon gewaltigen Staatsschulden zu explodieren.
Aber auch auf Europa, wo viele die Kreditkrise schon fast zu den Akten gelegt haben, könnte noch einiges zukommen. Erst am Wochenende musste die dänische Notenbank eingreifen, um die Bank Roskilde in höchster Not vor der Insolvenz zu retten.
Wer in dieser Situation Entwarnung gibt, hat den Ernst der Lage nicht verstanden.
  • Aus der FTD vom 14.07.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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