Selbst das Wirtschaftswunderland China befinde sich jetzt in der Rezession, sagt der New Yorker Ökonom Nouriel Roubini, die gefürchtete Kassandra der Weltwirtschaftskrise. Ob das im technisch-statistischen Sinne richtig ist, darüber lässt sich streiten. Die ökonomischen Daten aus der Volksrepublik sind notorisch unzuverlässig und undurchsichtig.
Klar ist aber inzwischen eines: China - und mit ihm ganz Ostasien - wird von dieser Krise mit voller Wucht erfasst. Anleger und Unternehmer im Westen müssen sich bis auf Weiteres von der großen Hoffnung verabschieden, dass die dynamischen Aufsteiger in Fernost dem Abwärtssog entgehen, ja dass sie vielleicht sogar zu neuen Wachstumsmotoren der Weltwirtschaft aufsteigen könnten. Vor allem die asiatischen Exporte brechen dermaßen heftig ein, dass die Region sich zu einem weiteren Krisenherd entwickelt.
Nicht nur die am Donnerstag in Peking veröffentlichten Wachstumszahlen, sondern auch die Nachrichten aus Japan oder Korea, aus Taiwan oder Thailand deuten auf einen Absturz hin, der noch härter ist als während der Asienkrise vor gut zehn Jahren.
In Fernost hat sich in den vergangenen Jahrzehnten ein feinmaschiger Produktionsverbund entwickelt, in dem sich die einzelnen Länder je nach ihrem Entwicklungsstand auf unterschiedliche Stufen der Wertschöpfung spezialisiert haben. Angetrieben wurde die Expansion nicht zuletzt vom Nachfragesog aus den USA, wo die Kauflust der Konsumenten unersättlich schien. Nun ist dieser Motor abrupt ausgefallen, und die enge Vernetzung zeigt plötzlich eine gefährliche Kehrseite. Die Krise breitet sich in hohem Tempo überall aus.
Die chinesische Regierung hat zwar bereits vor Wochen ein gigantisches Konjunkturpaket angekündigt und wird schon aus Sorge um die innenpolitische Stabilität alle Hebel in Bewegung setzen, um das Wachstum zu stützen. Deutlich wachsende Arbeitslosigkeit könnte schnell in Protest und Aufruhr umschlagen. Es wird allerdings einige Zeit dauern, bis eine stärkere Binnennachfrage die Einbußen in der Exportwirtschaft auffangen kann.
Deutscher Export leidet
Die schlechte Nachricht für Deutschland ist, dass die angeschlagenen Asiaten auch weniger Investitionsgüter oder noble Autos made in Germany nachfragen werden.
Zugleich schwächt sich allerdings auch die Energie- und Rohstoffnachfrage aus Fernost ab. Das spricht für anhaltend niedrige Rohstoffpreise, billiges Öl und entsprechend weiter nachlassende Teuerungsraten weltweit.
Die Geschichte vom ewig wachsenden chinesischen Rohstoffhunger, die an den internationalen Märkten für Rohöl oder Metalle jahrelang die kurzfristige Spekulation beflügelt hatte, muss für eine Weile zu den Akten gelegt werden.
Die Asiaten stehen jetzt vor dem Problem, ein neues Wachstumsmodell zu finden. Das ist nicht nur eine ökonomische, sondern auch eine politische Herausforderung.