Es lässt sich sehr viel Gutes sagen über die Privatuniversität Witten/Herdecke. Gestartet mit viel Idealismus, hat sie Bildungskonzepte entwickelt, die inzwischen von etlichen staatlichen Hochschulen kopiert werden. Forschung und Lehre sind exzellent, die Studenten hoch motiviert. Aber sie hat ein Manko - und dieses Manko ist gerade für eine Privatuni, die sich als Musterschüler bei den Wirtschaftswissenschaften darstellt, mehr als ein Schönheitsfehler: Witten/Herdecke hat kein erkennbares Geschäftsmodell. Und die Unileitung konnte nicht mit Geld umgehen.
Zugegeben, keine andere Privatuniversität in Deutschland leistet sich eine medizinische Fakultät, weil eine solche über private Mittel allein praktisch nicht finanzierbar ist. Als Entschuldigung für die chronisch roten Zahlen der Elitehochschule reicht das jedoch nicht aus, immerhin wurde sie aus genau diesem Grund bisher von der Landesregierung unterstützt.
Der Kern der Geldprobleme in Witten/Herdecke muss im eigenen Haus gesucht werden. Da war ein Gründungspräsident, der nach dem Motto "Kein Geld war immer" wirtschaftete - und seine GmbH offenbar so arm, aber sexy fand wie der Berliner Bürgermeister seine Stadt.
Auch in der Folge erweckte die Unispitze lange Zeit den Eindruck, sie habe keine rechte Lust, sich mit Materiellem herumzuschlagen. Zwei interessierte Geldgeber hat die Hochschule verprellt - jedes Mal aus der Sorge heraus, ein Investor mit Mehrheitsbeteiligung könne aus Profitgier das besondere Profil schleifen. Als die Führung den Ernst der Lage erkannte, hatte sie sich schon so gut wie handlungsunfähig gemacht: Die zwei jungen und unerfahrenen Geschäftsführer konnten die Situation nicht mehr entschärfen.
Es wäre das Beste, wenn Witten/Herdecke das Trauerspiel jetzt beendet und die Pleite auch hinnimmt. Seine wissenschaftlichen Leistungen kann der Pionier langfristig nur aufrechterhalten, wenn er nach der Insolvenz von null startet. Mit einer neuen Führung und einem neuen Partner.