Josef Ackermann hatte hartnäckig und in bunten Farben ausgemalt, wie er sich die Zeit danach zu vertreiben gedenke - etwa mit wissenschaftlicher Arbeit. Und Aufsichtsratschef
Clemens Börsig hatte mehrfach beschwichtigt, die Nachfolgesuche laufe in ruhigsten Bahnen und ganz nach Plan.
Seit Montag ist klar: Das Gegenteil war der Fall. Die Bank hat ihre Kritiker bestätigt. Ackermann hat einfach ignoriert, dass es zur Aufgabe eines Vorstandschefs gehört, rechtzeitig für Ersatz vorzusorgen; Börsig war nicht in der Lage, diese Lücke zu füllen. Weil das in den vergangenen Wochen immer offensichtlicher wurde und das drohende Vakuum an der Spitze zunehmend die Diskussionen auch in der Bank bestimmte, musste der Aufsichtsratschef Ackermann nun kleinlaut um Verlängerung bitten.
Das Chaos ist per se schon einmal ein Armutszeugnis. Zudem bringt der Verbleib Ackermanns die Führungsspitze des Konzerns in eine wackelige Situation: Zwar ist Börsig eindeutig geschwächt und Ackermann der Chef im Ring. Auch sind die Disziplin des Schweizers und seine Qualitäten als Banker lobenswert. Allerdings ist unsicher, ob Ackermann noch einmal umschalten kann, wirklich den ersten Angestellten geben will und etwa bereit ist, Fehler im von ihm entwickelten Geschäftsmodell zu revidieren.
Zuletzt trugen viele seiner Auftritte schon selbstgefällige Züge, etwa die ständigen Provokationen in Richtung der Politik und der mit Staatsgeld gestützten Konkurrenz. Einem verdienten Recken auf dessen Ehrenrunde kann man das verzeihen. Als Vorstandschef bringt Ackermann die
Deutsche Bank damit keinen Schritt weiter.