Auch so kann man die Deutschen zu einem Volk der Aktionäre machen. Nur ein paar Tage ist es her, dass jeder Bürger durch die Teilverstaatlichung der
Commerzbank theoretisch 3,6 Aktien an der zweitgrößten Bank des Landes erworben hat, da droht bereits die nächste Volksaktie: Sollte die teilstaatliche Post in einem spektakulären Schritt als Großaktionär bei der
Deutschen Bank einsteigen, würde der Steuerzahler indirekt auch zum Miteigentümer des größten deutschen Finanzinstituts.
Zwar ist es bei einem großen Deal nicht ungewöhnlich, dass der Verkäufer dem Käufer einen Kredit gewährt - was die Post mit ihrem Einstieg bei dem Institut faktisch tut, um den Verkauf ihrer Banktochter abzusichern. Zugleich ist es aber ein Alarmzeichen für den Zustand der Deutschen Bank: Offenkundig kann sie die 2,8 Mrd. Euro teure erste Tranche für die Übernahme der
Postbank nicht aus eigenen Mitteln stemmen. Früher hätte der Marktführer einen solchen Betrag vermutlich unter Peanuts verbucht - jetzt wird deutlich, wie sehr die Finanzkrise auch sein Eigenkapital dahinschmelzen lässt.
Gleichwohl sind die Fälle Commerzbank und Deutsche Bank nur begrenzt vergleichbar. Ihnen gemein ist, dass der Staat seine Finger im Spiel hat. Auch wenn es einem übel aufstößt, scheint es derzeit in der Finanzbranche nicht ohne den Staat zu gehen. Doch der Einstieg des Logistikkonzerns bei der Bank folgt zumindest einer privatwirtschaftlichen Logik. Anders als bei der Übernahme einer Sperrminorität des Bundes an der Commerzbank lassen sich hier immerhin der Wille und die Möglichkeit eines baldigen Ausstiegs erkennen. Für die Finanzierung steht darüber hinaus auch nicht direkt der Steuerzahler gerade.
Das heißt aber nicht, dass es bei diesem Deal keine Verlierer gibt. Als Post-Chef
Frank Appel sein Amt antrat, gab er das Ziel aus, die Banktochter schnell loszuwerden, um sich auf die anderen Baustellen im Konzern konzentrieren zu können. Jetzt sieht sich Appel plötzlich als Großaktionär eines Instituts, das von der Finanzkrise immer heftiger durchgeschüttelt wird.
Angeschlagen, aber nicht angezählt kommt dagegen
Josef Ackermann aus diesem Geschäft heraus. Noch im Herbst hatte der Deutsche-Bank-Chef gesagt, er würde sich schämen, wenn er in der Krise Staatsgeld annehmen müsste. Jetzt kommt ihm der Staat lediglich über Umwege zu Hilfe - und Ackermann muss sich erst einmal nur ein bisschen schämen.