Monatelang hatten die Chinesen die Deutschen aus Zorn über den Empfang des Dalai Lama im Kanzleramt links liegen lassen. Erst einer Berliner Charmeoffensive gelang es, Peking aus dem Schmollwinkel hervorzulocken.
Nun soll alles gut werden: Das halbe Bundeskabinett wird in den kommenden Monaten nach Fernost reisen; selbst die Kanzlerin, die den Eklat ausgelöst hatte, darf sich wieder sehen lassen.
Jetzt und heute sollten deshalb auch Angela Merkel und ihr Außenminister Frank-Walter Steinmeier ihre Beziehungen normalisieren, die sich im Koalitionskrach um den Dalai-Lama-Empfang stark eingetrübt hatten. Wichtiger als die Frage, wer sich für die Versöhnung mit den Chinesen auf die Schulter klopfen lassen darf, ist jene, welche Lehren aus der Krise für die künftige deutsche Außenpolitik gezogen werden müssen.
Im Kern sind dies dreierlei: Zum Ersten beweist das Ende der deutsch-chinesischen Spannungen, dass sich Berlin Kritik an schwierigen Partnern etwa in Menschenrechtsfragen erlauben kann, ohne es sich auf Dauer mit ihnen zu verscherzen. Zum Zweiten wird aber auch deutlich, dass es im Fall einer solchen Konfrontation nicht ohne ein umsichtiges Management der politischen Folgen geht. Es braucht jemanden, der das zerschlagene Porzellan zusammenkehrt.
Die wichtigste Lektion ist jedoch die dritte: Es ist Zeit für ein klärendes Gespräch zwischen Merkel und Steinmeier darüber, wie sie mit wichtigen Partnerstaaten umgehen wollen, die nicht von lupenreinen Demokraten geführt werden. Ohne klare Linie gegenüber China und Russland droht nicht nur neuer Schaden für die Koalition - sondern vor allem für die deutsche Außenpolitik.