Israelische Soldaten tragen einen jüdischen Siedler aus der besetzten Siedlung
Es ist Ministerpräsident Ariel Scharon als historische Leistung anzurechnen, in einem so emotionalisierten Klima den Weg des Verstandes weitergegangen zu sein und die Siedlungen unter Inkaufnahme aller Konsequenzen geräumt zu haben.
Das kann nicht jeder. Aber um den Frieden in Nahost zu gewinnen, braucht man einen, der das kann. "Verletzt nicht die Soldaten! Verletzt mich!", rief Scharon den Siedlern am Mittwoch zu. Fast scheint es, als suche er die Rolle des Märtyrerhelden.
Zu den Konsequenzen, die Scharon in Kauf nimmt, gehört, dass ihm nun der Makel des Spalters der israelischen Gesellschaft anhaftet. Er hat das Tabu gebrochen, wonach Juden anderen Juden keine Gewalt antun. Scharon, der Bulldozer, der früher gegen Palästinenser rollte, macht jetzt Häuser von Israelis platt.
Um den Frieden in Nahost zu gewinnen, wird das aber nicht reichen. Dazu bedarf es einer ebenso großen Leistung der palästinensischen Führung. Auch sie muss notfalls mit Gewalt gegen die Fanatiker in ihrer Gesellschaft vorgehen, insbesondere gegen die Hamas, die weitere Terrorakte gegen Israel schon angekündigt hat.
Dauerhafter Frieden ist nur möglich, wenn das Tabu fällt: Wenn auf beiden Seiten die Radikalen hart angefasst werden, egal, welcher Konfession sie sind. Das geht nur, wenn man Gefühle unterdrücken kann. Mahmud Abbas, Präsident der palästinensischen Autonomiebehörde, muss nun zeigen, dass er das kann.