Im Gegenzug erhob US-Präsident George W. Bush zumindest sein "imaginäres Glas" auf Deutschland und die USA. Ein Zeichen dafür, wie es wirklich um die Freundschaft bestellt ist? Werden die Gläser nur scheinbar erhoben, der Toast zwar gesprochen, ohne aber etwas in der Hand zu haben?
Nein, das Treffen zwischen Bush und Schröder war weitaus mehr als ein Austausch von Höflichkeiten. Der US-Präsident hat zweierlei deutlich gemacht: Erstens ist der Streit um den Irak-Krieg endgültig beigelegt. Zweitens hat Bush eine neue Rolle Deutschlands definiert, wie die USA sie sich wünschen. In dem "starken Partner" Europa kommt Deutschland eine Schlüsselrolle zu. Ohne einen guten Draht nach Berlin kein Draht nach Brüssel (und manche andere Hauptstadt), lautet die neue Bush-Formel. Die USA schaffen damit für die neue Phase der deutsch-amerikanischen Beziehungen eine rationale, gesunde Grundlage.
Es ist zwar nicht mehr die herausgehobene "partnership in leadership", die Bush senior 1989 den Deutschen angeboten hatte. Es ist aber nur bedingt eine Herabstufung. Die USA wollen eine enge strategische Partnerschaft, die auf gemeinsamen Zielen beruht. Sie haben ein genuines Interesse an einem starken Deutschland in Europa. Das Mainzer Glas ist also nicht imaginär. Ein maßvoller Schluck wurde getrunken. Es ist halb voll - und darf gefüllt werden.
Weitere Leitartikel zu den Themen "Konjunktur: Rückkehr zum Wachstum" und "Freistoß für die Hoteliers" in der FTD-Ausgabe vom 24.02.2005.