Es ist nicht lange her, da erntete Finanzminister Peer Steinbrück für seinen Ruf nach einer härteren Finanzmarktregulierung von wichtigen internationalen Partnern bestenfalls ein herablassendes Schulterklopfen. Die Botschaft von Amerikanern und Briten an den forschen Kollegen aus Berlin war die gleiche, wie sie der frühere Kanzler Gerhard Schröder für seinen Kassenwart im Kabinett parat hatte, als der zu laut nach neuen Sparpaketen quengelte: Lass gut sein!
Wie dramatisch die weltweite Finanzkrise die alten Rollen durcheinandergewirbelt hat, zeigen die Beschlüsse der Europäer zur neuen Finanzarchitektur vom Sonntag. Die Liste der Forderungen, mit der die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten EU-Länder in das Gipfeltreffen der G20 Anfang April in London gehen wollen, stammt nahezu Punkt für Punkt von Steinbrück.
Weitaus wichtiger als der Prestigeerfolg für die deutsche Regierung ist jedoch das Signal der Europäer an die übrigen G20-Staaten. Nach dem groß inszenierten Weltfinanzgipfel im November hatte es bereits Hinweise gegeben, dass nationale Egoismen und die Interessen der Einzelstaaten letztlich doch wichtiger sind als das gemeinsame Ziel, künftigen Krisen vorzubeugen. Insofern ist es ein bedeutendes Zeichen, dass sich auch die Briten, deren Finanzplatz London von einer losen Regulierungspraxis profitiert hat, noch einmal explizit zu einer lückenlosen Überwachung aller Finanzmarktakteure bekannt haben.
Entscheidender als die Position der Europäer wird jedoch sein, wie weit die neue US-Regierung bei neuen Transparenzregeln für Hedge-Fonds und Ratingagenturen zu gehen bereit ist. Zwar stimmen die Signale zuversichtlich, dass Barack Obama hier deutlich näher bei den Europäern liegt als sein Vorgänger. Zugleich sind aber in den USA - ebenso wie in Frankreich - zuletzt auch protektionistische Tendenzen deutlich geworden, die das Großprojekt gefährden können.
Doch selbst wenn alle Forderungen der Europäer auf Ebene der G20 umgesetzt werden, macht das die Welt nicht immun gegen Finanzkrisen. Der aktuelle Tsunami auf den Finanzmärkten ist sicherlich nicht nur darauf zurückzuführen, dass es bislang zu viele Lücken in der Aufsicht und falsch konstruierte Bonussysteme in den Banken gab. Mehr Regulierung ist nicht die Lösung, solange die Regulierer ihren Job nicht besser verstehen. Auch das sollte auf Steinbrücks Liste ganz oben stehen.