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Merken   Drucken   26.06.2008, 20:03 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Die verlorene Ehre des Kurt Beck  

Über Kurt Beck ist inzwischen fast alles gesagt - jedenfalls das Negative. Die allerneueste Theorie zum Zustand der Sozialdemokraten und ihres Parteichefs lautet deshalb: Die, die es sagen, aufschreiben und senden sind schuld.
Beck sieht sich selbst als ein Opfer übler Medienmechanismen, ja eines "Vernichtungsfeldzugs" der Presse. Und er findet inzwischen sogar in den Medien selbst einige Fürsprecher, die das genauso sehen. Die verbliebenen Parteifreunde teilen sein Leid sowieso.
Medienschelte dieser Art ist nichts Neues. Selbst der "Medienkanzler" Gerhard Schröder, der mit einer Journalistin verheiratet ist, nahm in schlechten Zeiten gelegentlich dazu Zuflucht.
Gerade der Blick zurück zeigt aber auch, wie unsinnig solche Theorien sind. Die Gründe des zeitweisen Popularitätsverfalls von Schröder etwa lassen sich auch heute noch leicht aufzählen, ohne dass irgendjemand alte Artikel und Sendungen herauskramen müsste.
Geschickte Underdog-Strategie
Schröder selbst hat dann auch im Bundestagswahlkampf 2005 vorgemacht, wie man die eigene Basis an den Medien vorbei, ja gegen die Medien mobilisiert. "Lasst euch von denen nichts einreden" lautete seine Parole. Diese Underdog-Strategie funktionierte so gut, dass das Wahlergebnis viele Politprofis verblüffte - und in den Medien eine Welle ernster Selbstkritik auslöste.
Womöglich will Beck an diese Strategie anknüpfen. Bislang sieht es aber so aus, dass sie bei seiner Basis nicht greift - was auf tiefere Probleme hindeutet.
Zweifellos richtig ist, dass Medienberichte auch eine Eigendynamik haben, dass es oft Herdenverhalten gibt und Modetrends - fast wie an der Börse. Gerade darin steckt aber auch ein Mechanismus der Selbstkorrektur. Wenn alles Negative gesagt ist, wird das Positive wieder interessant. Vielleicht findet Becks Aktie gerade ihren Boden.
  • Aus der FTD vom 27.06.2008
    © 2008 Financial Times Deutschland,
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