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Merken   Drucken   12.02.2009, 21:24 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Ein Herz für den Dacia  

Die Abwrackprämie begünstigt ausländische Billighersteller. Aber das ist in einem offenen Binnenmarkt völlig in Ordnung.
So hatten die Berliner Konjunkturpolitiker das vermutlich nicht geplant. Auch wenn sie es sich leicht hätten ausrechnen können: Die Abwrackprämie stimuliert besonders den Absatz von Billigmodellen aus dem Ausland. Die rumänische Marke Dacia etwa ist in Deutschland zum Teil schon ausverkauft. Um den Nachschub zu gewährleisten, sollen jetzt sogar Neufahrzeuge vom russischen Markt hierher umgeleitet werden. Mancher deutsche Hersteller, dessen Fließbänder stillstehen, wird da die Faust in der Tasche ballen.
Trotzdem hat gerade dieser Effekt der an Merkwürdigkeiten sonst sehr reichen Prämie keine Kritik verdient. In einer Welt der offenen Märkte und der international vernetzten Produktionsstrukturen ist es weder möglich noch wünschenswert, staatliche Förderprogramme eng auf eine vermeintlich nationale Industrie zu begrenzen.
Zu Recht wird Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy gerade in ganz Europa kritisiert, weil er spezielle Hilfen für Frankreichs Autofabriken plant und bemängelt hat, dass die französischen Hersteller so viel in Osteuropa produzieren. Solcher Protektionismus ist mit den (rechtlich bindenden) Prinzipien eines offenen europäischen Binnenmarkts unvereinbar, er geht aber auch an der Realität der Autobranche völlig vorbei.
Klares Konzept
Dacia zeigt dies beispielhaft: Der rumänische Hersteller ist eine Tochter des Renault-Konzerns. Er nutzt Technologie und Komponenten der französischen Mutter und ist mit seinem Konzept des kargen Billigautos sehr erfolgreich und profitabel.
Die aggressive Niedrigpreisstrategie von Dacia ist bislang zwar einzigartig. Die Vorteile eines internationalen Netzes von Zulieferern und günstigen Produktionsstandorten in aller Welt nutzt aber heute jeder Autohersteller. Auch Porsche.
Die Kaufkraft, die in Niedriglohnländer abfließt, ist im Übrigen keineswegs verloren. Sie schafft überhaupt erst die Basis dafür, dass dort dauerhaft deutsche Exportwaren gekauft werden können.
Mit einem Leistungsbilanzdefizit von zuletzt fast 14 Prozent des BIPs ist etwa Rumänien derzeit extrem abhängig von ausländischem Kredit. Jeder in Deutschland verkaufte Dacia ist da ein Segen, der die labile Wirtschaft stützt - und die Gefahr verringert, dass die übrigen Europäer dem Land ein Rettungspaket schicken müssen.
Viele deutsche Verbraucher profitieren derweil von dem neuartigen günstigen Angebot aus der Fremde. Das ist der Vorteil offener Märkte.
  • Aus der FTD vom 13.02.2009
    © 2009 Financial Times Deutschland,
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