Aus Sicht der russischen Führung waren die letzten zwei Wochen bis eben noch ein voller Erfolg. Den Krieg gegen das verhasste Nachbarland Georgien gewann sie rasch, unterstützt von der eigenen Bevölkerung. EU und USA wirkten wie ein aufgescheuchter Hühnerhaufen, und der Kreml konnte seine neue Stärke genießen.
Nun aber zeigt sich, dass Russland mit der Anerkennung der georgischen Separatistengebiete einen taktischen Fehler begangen hat. Die Schanghai-Organisation (SCO), in der Moskau vor allem mit China zusammenarbeitet, weigerte sich, dem russischen Vorgehen ihren Segen zu geben. China äußerte stattdessen "Besorgnis über die jüngsten Veränderungen in Südossetien und Abchasien" - eine eisige Abfuhr für Russland.
Dabei war der Krieg selbst außerhalb der USA und der EU zunächst auf wenig Widerstand gestoßen. Wenn jedoch Separatisten formal anerkannt werden, dann wirkt das auf Regierungen weltweit so, als spucke man ihnen in die Suppe. Viele Staaten vereinen Völker auf ihrem Gebiet, die von der Unabhängigkeit träumen. Wer diese Bestrebungen durch einseitige diplomatische Aktionen ermutigt, macht sich keine Freunde.
Es zeichnet sich ab, dass Russland mit seiner Anerkennung am Ende allein dasteht, allenfalls noch unterstützt von dem wirtschaftlich zur Gänze von Moskau abhängigen Weißrussland. Und selbst wenn sich ein paar weitere Parias wie Kuba oder Syrien noch anschließen sollten, bliebe das Ergebnis das Gleiche: Der militärische Sieg mündet in eine politische Niederlage.
Russlands Rolle eines Landes, das es dem selbstgerechten Westen immer mal wieder zeigt, kam andernorts oft gut an. Wenn China oder Indien aber den Eindruck gewinnen, dass hier einer seine eigenen Regeln macht, werden auch sie sich schnell von Moskau abwenden.