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Merken   Drucken   28.07.2008, 18:43 Schriftgröße: AAA

Leitartikel: Ende der Billigairlines  

Der hohe Kerosinpreis hat das Geschäftsmodell der Billigflieger zerstört. Inzwischen bevorzugt selbst der für gewöhnlich großspurig auftretende Ryanair-Chef kleinlaute Töne - für die Branche ist das ein deutliches Warnsignal.
Michael O'Leary  ist nicht für ein Übermaß an Zurückhaltung bekannt. Der Chef des irischen Billigfliegers Ryanair  pflegt seinen Ruf als Lautsprecher der Branche, wo er nur kann - umso bemerkenswerter sind die kleinlauten Töne, die am Montag aus der Konzernzentrale von Europas größtem Low-Cost-Carrier kamen.
Da ist zum einen die Warnung, das Unternehmen könne das laufende Geschäftsjahr erstmals seit 1989 mit einem Verlust abschließen - eine Nachricht, die die Ryanair-Aktie zeitweise um 25 Prozent abstürzen ließ. Noch mehr aufhorchen lässt jedoch, dass sich der gern etwas selbstverliebt auftretende Showman O'Leary öffentlich korrigiert: Obwohl der Vorstandschef wiederholt ausgeschlossen hatte, bei einem Ölpreis von mehr als 100 $ je Barrel Kerosin auf Terminkontrakt zu kaufen, hat Ryanair genau das jetzt getan - und zwar gleich für die Monate September bis Dezember.
Für die Fluggesellschaft und ihren Chef ist diese strategische Kehrtwende nicht bloß eine winzige Kurskorrektur. Sie ist das Eingeständnis, dass das bisherige Geschäftsmodell des Billigfliegers angesichts hoher Öl- und Treibstoffpreise nicht mehr funktioniert.
Ryanair hat sich stets darauf verlassen, dass sein stürmisches Wachstum bei den Passagierzahlen steigende Kosten ausgleicht. Angesichts der stark eingetrübten Konjunktur in Großbritannien, Irland und anderen Ländern Europas kann Ryanair jedoch nicht mehr damit rechnen, dass auch Geringverdiener regelmäßig Wochenendtrips buchen.
Angewiesen auf neue Kundenschichten
Für O'Leary, aber auch für Ryanairs Rivalen wie Easyjet  gilt deshalb: Um die Investoren bei der Stange zu halten, müssen sie eine neue Antwort auf die Frage finden, wie sie ihre Passagierzahlen trotz kletternder Kosten und höherer Ticketpreise in einem weitgehend gesättigten Markt steigern wollen. Entscheidend wird es dabei sein, neue Kundenschichten zu gewinnen, etwa bei den Geschäftsreisenden. Gerade in diesem Segment tut sich Ryanair jedoch schwer: Wer Termine in Frankfurt hat, landet ungern weit weg von der Innenstadt in Frankfurt-Hahn.

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